Falerte, Teil 07: Brief an die Schwester

VI: Brief an die Schwester

Sommer 3979, Rardisonan.

Geliebte Schwester,

ich schreibe dir in Eile, denn es ist etwas geschehen. Ich weiß nicht warum und man hat auch nicht allzu großartig mit uns darüber gesprochen, doch wir werden nun versetzt. Nicht alle von uns, doch ganze fünfzig immerhin. Darunter auch Männer wie Miruil und Couccinne, von denen ich dir schon das letzte Mal schrieb. Vorgestern trat man an uns heran und sagte uns, was man mit uns vorhätte, und in weiteren zwei Tagen reisen wir dann auch schon ab. Widersprüche waren nicht möglich. Seit unserem Eintritt und der Verpflichtung für zumindest einem Jahr wäre dies Verrat gewesen.

Der Caris Duimé teilte uns die Neuigkeiten beim Frühstück mit. Ich saß neben Miruil und Oljó y Becal, als der Jinn zu uns hinaus in den Hof kam, wo wir zusammen saßen. Duimé tat, als müsste es uns allen eine große Ehre sein, was er uns zu verkünden hatte. Nun, ich will dich nicht weiter mit Spannung foltern: man sendet uns alle ins ferne Nardújarnán. – Ja, richtig, ins nördliche Land der gewaltigen Wälder, Flüsse, Berge und Ebenen, wo angeblich wirklich alles größer ist. Duimé sagte uns schlicht, dass dort am dringendsten noch Nachschub an neuen Kämpfern gebraucht würde und wir deshalb dort benötigt werden. Die nächsten Tage werden wir mit Vorbereitungen verbringen müssen. Uns wurde verboten, in dieser Zeit noch Briefe zu schreiben oder Besuch zu empfangen.

Puidor ist bisher immer noch nicht erschienen und wird es wohl auch nicht mehr. Ich hoffe, es geht ihm zumindest gut. Und ebenso dir. Sobald ich irgendwo angekommen bin, schreibe ich dir. Zu deiner Hochzeit kann ich nun natürlich nicht kommen, doch unser Schiff wird sicherlich an Touron vorbeikommen. Sollten wir anlegen und Ausgang erhalten, könnte es sein, dass ich in ein paar Tagen überraschend vor deiner Tür stehe, also kurz nach Ankunft dieses Briefes. Ich hoffe sehr darauf, dich wiederzusehen, auch wenn ich unserer Mutter lieber aus dem Weg gehen würde. Nun muss ich aufhören, man versucht uns noch in Windeseile alles Nötige beizubringen, was wir über Nardújarnán erfahren müssen. Ich hoffe nur, unsere Vorgesetzten wissen, was sie tun.

Dein Falerte

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