Falerte, Teil 29: Tagebuch des Falerte Khantoë

XXVII: Tagebuch des Falerte Khantoë

 

07. 08. 3979 Irgendwo auf dem Tajazi

Nun sind wir also auf dem Fluss. Sie haben uns auf ein großes Flussschiff gesteckt, welches sich die Paruibi nennt. Erinnert mich an irgendetwas. Jedenfalls müssen wir hier auf dem Deck schlafen, unseren Übungen nachgehen und auch die Mahlzeiten einnehmen. Normalerweise würden wir ja nachts anlegen und auf Land ruhen, jedenfalls kenne ich das so von anderen Flussschiffen, doch man scheint es sehr eilig mit uns zu haben. Duimé, unsere zehn einheimischen Führer sowie die fünf seltsamen Kämpfer, die uns begleiten, haben ihren Platz unter Deck. Bei der Wärme dort unten kann man sie aber nicht beneiden. Ebenso könnte ich auf die Ratten dort verzichten. Diese Tiere scheinen wirklich überall zu sein. Das Schiff hat noch weitere zwanzig Mann Besatzung, die auf Hängematten schlafen dürfen. Sie haben es vermutlich am Besten. Aber auch nur in dem Punkt. Abwechselnd müssen sie den ganzen Tag lang am Flussufer vor uns her laufen und unsere Zugtiere leiten. Andere helfen an Bord, indem sie uns voran staken. Die Letzten kümmern sich um das Schiff selber. Sie arbeiten also mehr als wir. Trotzdem kommen wir nicht schnell voran. Eine Reise auf einem Flussschiff ist nach wie vor langsam und langweilig. Der Kapitän, ein Mann namens Norís, meinte, wir würden über drei Wochen brauchen. Naja, immer noch besser, als den ganzen Weg dorthin laufen zu müssen.

Dennoch sehe ich bereits Spannungen auf uns zukommen. Diese Männer hier scheinen mir nicht geeignet, solch lange Zeit auf so engem Raum miteinander zu leben. Schon in Atáces gab es andauernd kleinere Streits. Wie mag das dann erst hier werden? Duimé scheint zu meinen, dass es ruhig bleiben würde, solange wir erschöpft seien, also führte er unsere Übungen nach dem altbekannten Plan fort. Aber ob das reichen wird? Die Paruibi ist viel kleiner als die Sturmwind damals und wir können der Besatzung kaum helfen, da die meisten von uns nach den Übungen nicht in der Lage sind, auch noch das Schiff zu ziehen.

 

09. 08. 3979, Irgendwo auf dem Tajazi

Duimé scheint wieder ganz der Alte. Die vorgespielte Freundschaft, die er uns in Guijúlon und Atáces zukommen ließ, scheint vergessen. Stets ist er unten in seiner Kabine und pflegt auch nur mit den fremden Kämpfern dort zu speisen. Diese nehmen an unseren Übungen natürlich nicht teil. Duimé kommt nur an Deck um mit uns zu üben oder wenn er mit dem Kapitän sprechen muss, dessen Kabine im Hinteraufbau ist. Norís scheint bisher umgänglicher zu sein als damals Amerto auf der Sturmwind. Ihm scheint aber ein schnelles Vorankommen ebenso wichtig zu sein, wie es für Duimé ist. Seine Mannschaft treibt er stets zu harter Arbeit an, uns beachtet er nur wenig, lässt sich aber gern auf gute Gespräche ein. Nur sein Schiff sollen wir nicht anfassen.

Seit vier Tagen reisen wir auf dem Tajazi gen Nord. Ejúduira liegt weit zurück. Ein wenig wehmütig fühle ich mich deshalb. Zweimal kamen uns Schiffe entgegen, die flussabwärts fuhren. Man kann sie nur beneiden. Während wir förmlich dahinkriechen, scheinen sie zu rasen. Kaum erscheinen sie am Horizont, schon haben sie uns passiert. Dafür können wir, sofern wir den Hang dazu haben, genüsslich die Landschaft beobachten. Noch ist der Tajazi ein breiter Fluss, eher ein gewaltiger Strom, und ich sehe nur unser Ufer, das Rechte. Während links in der Ferne die Landschaft gebirgig wird und so mancher kleiner Fluss in den Tajazi mündet, ist der Osten flacher. Manchmal erblicken wir Felder, Bauerngehöfte und selten auch mal ganze Dörfer. Eines davon schien sogar ein Eingeborenendorf zu sein. Sie schienen dort in Ruhe zu leben, lediglich einen kleinen Handelshafen hatten die Toljiken nebenan am Fluss errichtet.

Doch das war Vorgestern. Heute halten wir an einem Außenposten, um neue Vorräte zu beziehen.

 

10. 08. 3979, Irgendwo auf dem Tajazi

Langsam beginne ich Oljó zu hassen. Heute war er in den Übungen so dreist, den Jungen Dosten über die Reling in den Fluss zu stoßen. Natürlich sagte er später, es sei ein Versehen gewesen. Zumindest kam es sofort zum Kampf zwischen Jimmo und Oljó. Wie gut, dass wir nicht mit echten Waffen üben. Zusammen mit Scaric sprang ich in den Fluss, um Dosten zu helfen, der nicht schwimmen kann. So weiß ich von dem, was auf Deck geschah nur das, was mir Miruil und Couccinne erzählten. Scheinbar kam Xeazotankro Oljó zu Hilfe, indem er Jimmo von Hinten sein Übungsschwert auf den Rücken schlug. Da griff dann auch Commosha in den Kampf ein. Während die anderen die Vier anfeuerten, holte Couccinne Duimé von unten, der die Übungen heute einem seiner Leute überlassen hatte. Duimé traf zeitgleich mit Norís auf Deck ein. Während Duimé dem Treiben einfach nur zusehen wollte, forderte Norís von ihm ein Beenden des ganzen. Erst da schickte Duimé die fünf fremden Krieger vor, welche die Vier auseinander zerrten und festhielten, wobei sich immerhin zwei gleichzeitig um Jimmo kümmern mussten. Duimé befahl, dass sie fortan nichtmehr dieselbe Seite des Decks betreten dürften. Außerdem mussten sie heute auf ihre Mahlzeiten verzichten.

Zwischenzeitlich hatte man auch endlich Scaric, Dosten und mir aus dem Wasser geholfen. Uns sah Duimé nur kurz an, als ob er etwas sagen wollte, doch schon war er wieder unter Deck verschwunden. Die Kämpfer aber blieben, um jeglichen drohenden Zwist im Keime zu ersticken. Seitdem sitzen Scaric, Dosten und ich hier um ein Feuer, das uns Norís erlaubt hatte zu entzünden, um uns zu trocknen. Zum Glück ist es immer noch warm in diesen Gegenden. Scaric versucht herauszubekommen, was ich hier alles aufgeschrieben habe. Mal sehen, ob ich ihm etwas verrate.

—-
Das gesamte Buch kann man auch kaufen.

Leave a Response

*