Falerte, Teil 33: Tagebuch des Falerte Khantoë

XXXI: Tagebuch des Falerte Khantoë

 

20. 08. 3979, An Bord der Paruibi

Keine Angriffe mehr seit dem einen Mal. Stattdessen muss jeder von uns nun abwechselnd das Schiff treideln. Wer dazu gerade nicht verdammt ist, bekommt von Duimé die übliche Ausbildung verpasst. Nun schläft auch er an Deck. Die Toten haben den Platz in den Kabinen eingenommen; wir bringen sie nach Huális. Obwohl wir uns bereits mitten im Herbst befinden, bleibt es weiterhin warm. Jeden Tag scheint die Luft auch noch feuchter zu werden. Gegen die Mücken und anderen Krabbeltiere haben wie zwar unsere Kräuterpasten, doch die Leichen dort unten scheinen in der Luft schneller zu verwesen und verbreiten jetzt schon einen unangenehmen Geruch. Nur die Ratten scheint das zu freuen. Und noch eine ganze Woche bis Huális. Duimé will die Toten einfach nur von Bord haben, doch Norís besteht auf ihre Mitnahme, zumindest ihren Familien zuliebe. Dass er da mal keine Meuterei heraufbeschwört.

 

20. 08. 3979, An Bord der Paruibi

Nun war es Duimé zuviel. Er ließ die Toten aus den Kabinen holen und einfach über Bord werfen. Soviel zu ihrer Würde. Norís gefiel dies gar nicht, doch er sagte kaum etwas dazu. Einige bedrohliche Schwerter der beiden verblieben Schoßkrieger von Duimé, Jénil und Gasuim, hielten ihn auch davon ab. Commosha Dacealus war auch dabei. So herrscht also wieder einmal der Stärkere. Diese Toten sahen aber auch bereits um einiges schlimmer aus, als mein Erlebnis damals in Emadeten. Ich hatte den starken Drang, mich möglichst weit von ihnen fernzuhalten. Trotzdem sah ich ihnen nach, wie sie die Strömung flussabwärts trug. Ihr werdet das Meer schneller wieder erreichen als wir.

Heute Nachmittag fielen für uns die Übungen aus, denn zehn von uns mussten im Wald nach einer Möglichkeit suchen, an neues Trinkwasser zu gelangen. Norís hatte Duimé überzeugen können, dass das Flusswasser kaum genießbar sei. Vielleicht lag es auch daran, dass einer der Männer so dumm war, es doch zu versuchen und nun seine Ausscheidungsvorgänge nicht mehr beherrschen kann. Jedenfalls musste ich mit in den Wald. Wir alle fühlten uns dort etwas unwohl. Im Laufe unserer Fahrt war er dem Fluss immer näher gerückt und breitete sich zu beiden Seiten in undurchsichtiger Dicke aus. Große Bäume und ein dichtes Unterholz erwarteten uns. Wir blieben stets in Sichtweite des Flusses, auch wenn das eigentlich kaum möglich war, ohne nah am Fluss zu bleiben, und fanden gegen Abend tatsächlich eine kleine Quelle. Ständig hielten wir Ausschau nach drohenden Angriffen. Einmal erschraken wir uns fast zu Tode, als eine Herde kleiner Tiere an uns vorbei lief. Die seltsamen kleinen Wesen mit ihren kurzen Rüsseln und großen Augen hatten vermutlich mehr Angst vor uns als wir vor ihnen. Ein wirklicher Angriff erfolgte zum Glück nicht. Auch suchte ich nach neuen Puidor-Erscheinungen, nach einem Zeichen, was er von mir will, wurde aber verschont. Ob es nun gut oder schlecht sein mag.

An Bord ist die Stimmung gereizt. Da wir nicht genug Männer haben, lagern wir über Nacht am Ufer. So gefährlich das auch sein mag; keiner von uns kann das Schiff jetzt noch ziehen. Wir schlafen aber auf dem Deck des Schiffes, damit wir im Notfall schnell flüchten können.

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