Falerte, Teil 52: 2. Tagebuch des Falerte Khantoë

LI: 2. Tagebuch des Falerte Khantoë

 

10. 03. 3980, Atáces.

Es ist langweilig. Tagaus, tagein müssen wir dasselbe tun, die selben sinnlosen Vorgänge über uns ergehen lassen. Und wozu? Unsere Übungen sind nicht mehr die stumpfen Kampfesübungen, die wir vor wenigen Monden noch über uns ergehen lassen mussten. Castaris verlangt gänzlich andere Dinge von uns. Wir werden darin ausgebildet uns lautloser zu verhalten und bevorzugt in der Dunkelheit vorzugehen. Jedem von uns ist klar, dass er etwas mit uns vorhat. Doch warum sollten wir da mitspielen? Man hat uns nur für zwei Monde hier eingesperrt und nichts wird mich dazu bringen, danach noch weiter in der Armee zu bleiben. Couccinne ist ebenso meiner Meinung und bereit mit mir das Land zu verlassen um nach Omérian zurückzukehren.

Miruil würde sicherlich auch folgen, wenn irgendwo ein Abenteuer locken sollte, auch wenn ich auf solche eigentlich erstmal verzichten könnte. Ich ließe ihn aber nur ungern zurück, ist er mir doch fast ebenso teuer wie Couccinne. Mich beunruhigt nur, dass er sich seit unserer Fahrt nach Ejúduira wieder vermehrt allein an Oljó hält, als sei er dessen neue Xeazotankro. Es ist nicht nur Eifersucht, die mich diese Verbindung hassen lässt; nach wie vor mag ich Oljó nicht, auch wenn er uns aus diesem finsteren Alptraum errettet hat.

Dafür ergab sich kürzlich eine Möglichkeit, mich mal wieder mit Jimmo allein zu unterhalten. Er teilt meine Bedenken Castaris und Oljó betreffend, traute er doch Oljó stets ebensowenig wie ich. Er sagte mir, Oljó hätte uns niemals den Ausweg aus Ašckhir verraten, hätte er nicht einen größeren Gewinn davon gehabt als wir. Außerdem sei es zu leicht gewesen, dort hinauszukommen. Ich fragte ihn, was er damit andeuten wollte, doch da rief uns Castaris zu unseren Übungen und wir mussten das Gespräch unterbrechen.

Es ist sonderbar, wie sehr mich dieser Castaris manchmal an Puidor erinnert. Doch nein, er ist es nicht und ich hatte auch nicht mehr solch deutliche Erscheinungen und Träume. Ich frage mich, warum wohl. Immer noch darf ich keine Briefe schreiben, weder an meine Schwester noch an Garekh. Dabei brennt mir soviel unter den Fingern.

 

19. 03. 3980, Atáces.

Sie haben Commosha Dacealus und diesen anderen Krieger, der mich sonderbarerweise nie beschäftigt hatte, fortgebracht. Ich weiß den Grund nicht und es kam sehr überraschend. Gestern noch war alles wie immer; heute morgen sagten sie ihnen, sie sollen ihr klägliches Hab und Gut packen um am Mittag abreisen zu können. Sofort als der Bote verschwunden war, entstand großes Geraune unter uns. Warum sollte man sie fortbringen und warum nur diese beiden? Wieso nicht auch uns?

Oljó warf in den Raum, dass sie vielleicht untragbar geworden seien, dass man sie würde beseitigen wollen. Natürlich war klar, dass er dies wieder einmal nur aus Gehässigkeit gesagt hatte, doch nur Jimmo war es, der dies auch aussprach. Viel wahrscheinlicher und offensichtlicher wäre, dass Castaris tatsächlich noch etwas mit uns vorhaben würde und die beiden gehen mussten, da sie dafür nicht geeignet wären: Dacealus fehlte nun immerhin eine Hand, wodurch er im Kampf kaum noch verwendbar sein würde, der andere Krieger war halb blind.

Vor einer Stunde etwa wurden sie abgeholt. Sie müssen nicht einmal laufen, werden gefahren. Was man wohl mit ihnen vorhat? Keiner von uns vermag das zu beantworten, vielleicht aber werden wir es irgendwann erfahren. Doch bevor er gehen musste, nahm mich Commosha Dacealus noch einmal zur Seite um mit mir zu sprechen. Zunächst erstaunte es mich sehr zu hören, dass er mich mag und mir meine Geschichte glaubt, dass nicht nur Ašckhir die Menschen bedrohen würde. Immerhin hatten wir vorher nie wirklich miteinander gesprochen. Er versprach mir zu helfen, so gut es ging, doch wäre es nun zweifelhaft, wie er dies vollbringen könnte.

Weiterhin aber erzählte er mir aber noch etwas viel wichtigeres: Bei unserer Flucht aus Ašckhir, als wir alle getrennt wurden, war er hinter Duimé und Oljó, doch ohne, dass diese etwas bemerkt hätten. Da sah er, wie Oljó sich mit Duimé stritt und ihn schließlich in einen Abgrund stieß. Worum der Streit gegangen war, konnte er nicht verstehen. Als Oljó dann aber Dacealus bemerkt hatte, rief er ihm zu, dass dies notwendig gewesen sei, dass Duimé uns sonst alle hätte hängen lassen. Das verdient dieser Mörder auch! Außerdem vermutet Dacealus, dass Oljó nicht die Wahrheit sprach. Ich werde es noch herausbekommen.

—-
Das gesamte Buch kann man auch gedruckt kaufen.

Leave a Response

*