Falerte, Teil 45: Bericht des Arztes von Camdis an Aiduido Elazar

Zweites Buch

XLIV: Bericht des Arztes von Camdis an Aiduido Elazar

 

13. 01. 3980, Camdis.

Dies ist ein Bericht des ärztlichen Alui des Außenpostens Camdis.

Anfang des Jahres fand ein Schiff des Außenpostens Malazis an der nördlichen Grenze Pesennos zufällig bei einer Erkundung ein Floß, wie es im Meer trieb. Auf diesem Floß befanden sich acht Männer, von denen nur noch sieben am Leben waren. Keiner der Männer war ansprechbar, viele kurz vor dem Verdursten. Zwei hatten sich eine schwere Krankheit zugezogen, der Rest wies Mangelerscheinungen auf. Man brachte sie in den Außenposten Malazis, wo sie notdürftig versorgt wurden, und später zu uns nach Camdis. Nur sechs von ihnen kamen hier lebend an, der Siebte starb an seiner Krankheit. Wir versorgten sie, so gut es ging und fingen damit an, diesen Bericht vorzubereiten. Es ließ sich nicht feststellen, zu welcher Einheit die Männer gehören. Seltsam erschien uns auch, dass nicht alle von ihnen Toljiken sind. Wir mussten warten, bis einer von ihnen wieder ansprechbar war, um mehr zu erfahren. Zwar fanden wir bei einem von ihnen ein Tagebuch, doch lässt sich dieses kaum entziffern.

Der Erste, der wieder ansprechbar sein sollte, war einer von denen mit kräftiger Statur. Er stellte sich als Oljó y Becal vor, ein Toljike aus Rardisonán. In den ersten Momenten, in welchen er wieder bei Bewusstsein war, konnten wir noch nicht viel von ihm erfahren, erst später nannte er uns seinen Namen und mehr. Scheinbar gehörten diese Männer allesamt zu einer Einheit unter Befehl eines gewissen Caris Duimé y Belané, welcher aber nicht in der gefundenen Gruppe war. Laut Oljó sei er in den Bergen, vermutlich den Atúposbergen, umgekommen. Oljós Erzählungen gaben uns ein Bild, dem zufolge die Gruppe den Außenposten Médyhúda an der Nordgrenze von Jaduiza erkunden sollte, dort aber dann von Einheimischen belagert wurde. Caris Duimé gab dann Befehl, in die Berge zu flüchten. Doch immer wieder muss die Gruppe angegriffen worden sein; zuletzt wurde sie kurz hinter den Bergen auseinander gesprengt. Die meisten von denen, die noch lebten, konnten sich bald wieder sammeln und gingen in Richtung des Flusses Bomóran.

Caris Duimé gehörte zu dem Zeitpunkt bereits nicht mehr zu den Überlebenden. Stattdessen fanden sie jedoch unweit des Flusses noch einen anderen Mann, einen Ramiten namens Falerte Khantoë. Das ist der Kerl mit dem unverständlichen Buch. Oljó warnte uns, dass sich Khantoës Geist aufgrund des Drucks der Kämpfe und Fluchten in seinen Wahnvorstellungen verrannt hätte. Und tatsächlich stammelte dieser nach seinem Erwachen von grässlichen Monstern, die in Feuerbergen Menschen opfern würden und ganz Nardújarnán sowie die restliche Welt erobern wollen. Wir stellten ihn zunächst einzeln unter Beobachtung und gaben ihm Beruhigungsmittel; sein Buch ließen wir ihm.

Nachdem sie Khantoë gefunden hatten, machten sich die Überlebenden laut Oljó auf den Weg zum Fluss Bomorán, bauten dort das Floß, auf welchem man sie fand, und ließen sich den Fluss hinab zum See treiben. Scheinbar machten sie dabei kaum Halt um frische Nahrung oder Wasser zu beziehen. Das erklärt den schlechten Zustand, in dem sich viele von ihnen befinden. Auf dem See Bomorán mussten sie noch einmal rudern um voranzukommen und gelangten schließlich auf das offene Meer, wo Malazis sie fand. Soweit zu dem Bericht des Oljó y Becal. Ich nehme an, er wird es euch noch ausführlicher erklären.

Mittlerweile sind die meisten der Männer wieder weit genug genesen, dass wir sie zu euch schicken können. Die Flucht vor dem Feind ist ein schweres Vergehen, dass von euch oder Atáces untersucht werden sollte. Wenn der Caris Duimé wie von Oljó geschildert tatsächlich gehandelt hat, dürfte er seine gerechte Strafe aber bereits bekommen haben. Bevor ich meinen Bericht schließe muss ich aber noch über ein paar Geschehnisse berichten. Zunächst fand ich es äußerst seltsam, dass die Gruppe derart weit in den Norden geriet. Oljó erzählte zwar, dass sie verfolgt und bedrängt gewesen seien, doch liegen die Berge arg weit von Médyhúda entfernt. Andere aus der Gruppe bestätigten Oljós Geschichte zwar, doch lässt es mich Verdacht schöpfen. Aber ich bin nur Arzt und kein Richter, Stadt- oder Geistwächter. Meine zweite Bemerkung betrifft den Umstand, dass einige der Männer untereinander in Zwist zu liegen scheinen. Gestern Nacht erst hörte ich selber, wie sich Oljó mit dem Männern namens Jimmo und Commosha Dacealus stritt. Dies mag auf allgemein vorhandene Probleme zurückzuführen sein, doch bemerkte ich auch böse Blicke zwischen den Männern, als sie ihre Berichte abgaben. Es scheint Unklarheiten zu geben, nicht nur die Sache mit den Bergen, sondern auch die Tage vor Erreichen des Bomorán betreffend. Weiterhin geziemt es sich auch einfach nicht für Krieger in Streit zu liegen.

In einer Woche werden wir die Männer, die dazu in der Lage sind, zu euch schicken. Das dürfte euch genug Zeit geben, euch darauf einzustellen. Betreffende Männer sind: Oljó y Becal, Jimmo, Dosten Aschengrau, Miruil Enfásiz y Calerto sowie Commosha Dacealus. Von diesen ist Oljó in der besten Verfassung. Jimmo hatte einige Schnittwunden, die wir aber behandeln konnten. Aschengrau hat seltsame Ausschläge am Körper, doch scheint dies nichts Ernstes zu sein. Enfásiz hat einen gebrochenen Arm, wird jedoch davon genesen. Dacealus mussten wir die linke Hand abnehmen; eine Wunde hatte sich entzündet. Er wird es überleben doch scheint deshalb verbittert zu sein. Falerte Khantoë werden wir auch zu euch schicken, er scheint sich soweit genug beruhigt zu haben. Damit kommen sechs Überlebende einer Einheit zu euch, die einst 35 Mann zählte. Wir lassen hiermit euch entscheiden, was weiter mit ihnen geschehen soll.

 

(Siegel des Außenpostens Camdis)

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Das gesamte Buch kann man auch gedruckt kaufen.

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