Falerte, Teil 48: Bericht von der Verhandlung in Ejúduira

XLVII: Bericht von der Verhandlung in Ejúduira

 

18. 02. 3980, Ejúduira.

Dies ist der Bericht über die Verhandlung der Krieger Oljó y Becal, Miruil Enfásiz y Calerto, Jimmo, Dosten Aschengrau, Falerte Khantoë sowie Commosha Dacealus, abgehalten am 18. Tag des zweiten Mondlaufes in den hohen Hallen zu Ejúduira. Die einzelnen Aussagen finden sich mit allen Einzelheiten im Anhang, dies ist die Zusammenfassung. Ziel der Verhandlung war es herauszufinden, was die Einheit des Caris Duimé y Belané dazu brachte ihre Befehle zu verwerfen. Die Einheit sollte das Geschick des Außenpostens Médyhúda erkunden und ihn bis zu einer Ankunft von Entsatzungstruppen aus Atáces halten. Die Einheit verließ den Außenposten aber nachdem die Verbindung zum Außenposten Huális abriss. Anfang des Jahres fand man einige Überlebende dieser Einheit im Meer vor Pesenno treibend. Nachrangiges Ziel war es festzustellen, was mit den Kriegern nun geschehen solle. Die Anschuldigung der Feigheit vor dem Feind war gegeben, nun galt es den Schuldigen zu finden.

Die sechs Krieger wurden einzeln verhört. Sie alle stimmen darin überein, dass es Caris Duimé war, der den Befehl gab, aus Médyhúda zu fliehen, da ihnen die Nahrung ausging und sie von Feinden umzingelt waren. Das Gesetz befiehlt in diesem Falle trotzdem ein Ausharren bis zum Ende. Gegen dieses Gesetz wurde offensichtlich verstoßen. Auf die Frage, warum sie keine Gegenwehr gegen den unsinnigen Befehl des Caris Duimé leisteten, führten die Verhörten an, erstens weiterhin Caris Duimé als Vorgesetztem verpflichtet gewesen zu sein sowie zweitens einer Übermacht der dem Duimé Hörigen gegenüber gestanden zu haben. Das Gesetz verlangt oberste Treue zum Gesetz und den Befehlen der Obrigkeit vor denen eines Niedermannes.

Leider sind die Berichte der zwei Krieger, welche kürzlich aus Cabó Canguina kamen und die ebenfalls zur Einheit von Caris Duimé hörten, kaum eine Hilfe. Ihre Aussagen sind in Einzelheiten in dem Bericht ihrer damaligen Verhörung zu finden. Sie erzählten, dass ein Mann namens Gammil Anführer einer Meuterei war, die versuchte den Caris Duimé zu stürzen, nachdem er den Befehl zur Flucht gab, was erst gelang, nachdem sie den See Carajúl erreicht hatten. Diese Berichte widersprechen offensichtlich teilweise denen der Angeklagten. Nachdem wir sie ihnen vorlegten meinten sie, für sich sowie für Gammil wegen der erfolgten Meuterei keine Strafen zuziehen zu wollen. Da es jedoch nicht als Meuterei gelten kann, wenn man irrsinnigen Befehlen, die der Anordnungen der Obrigkeiten widersprechen, entgegentritt, lassen diese Aussagen an der Glaubwürdigkeit der Männer zweifeln. Das folgende unterstreicht dies nur.

Die sechs Angeklagten versuchten immer wieder vom Hauptgegenstand der Befragung abzuweichen und schilderten in farbigen Ausschmückungen die Geschehnisse in einer Festung namens Ašckhir. Diese soll von Eingeborenen und anderen Wesen unterhalten werden und mit einem Angriff auf Nardújarnán gedroht haben. Es wäre jedoch irrsinnig anzunehmen, dass sich Eingeborene in größeren Verbänden zusammentun und zu einer Bedrohung werden könnten. Diese Berichte können in Anbetracht der schlechten geistigen Verfassung einiger Verhörter nicht als der Wahrheit entsprechend betrachtet werden.

Die Verhandlung kam nun darin überein, die Verantwortung für die verlorene Einheit dem verschiedenen Gammil sowie Caris Duimé zu geben; sie werden damit nachträglich unehrenhaft entlassen. Die insgesamt acht Überlebenden werden aus Gründen der Ungehorsamkeit sowie Unaufrichtigkeit zu einer Haftstrafe von zwei Monden verurteilt, die sie in der Guigans zu Atáces abzuleisten haben. Es ist festzuhalten, dass diese Entscheidung auf den Druck der anwesenden Vertreter der Obrigkeit von Atáces zurückgeht, welche darauf bestanden, dass dieses Vorgehen notwendig sei. Eigentlich müssten die Betroffenden zumindest unehrenhaft entlassen werden, eine gründlichere Untersuchung würde ihnen sicherlich zudem den Strang einbringen. Atáces scheint es aber für besser zu halten, sie für weitere Dienste in Anspruch zu nehmen. Ejúduira wird sich da heraushalten, unterstehen die Männer doch Atáces und nicht uns.

Weiteres: Der Kämpfer Falerte Khantoë bat um eine Entlassung, die ihm jedoch verweigert wurde. Weiterhin ist den Verurteilten für die Zeit ihrer Haft jegliche Verbindung zur Außenwelt untersagt. Auch bleibt festzustellen, dass Atáces sich zuviele Befugnisse herausnimmt. Wir konnten immerhin erreichen, dass einer unserer Männer nach Atáces eingeschleust wurde. Wir harren seiner Berichte, um diese Sache weiter zu verfolgen.

 

(Siegel des Obersten Gerichtes zu Ejúduira)

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