Falerte, Teil 67: Brief an die Schwester

LXVI: Brief an die Schwester

 

12. 07. 3980, Atáces

Geliebte Schwester,

endlich erhielt ich die Briefe von dir und Garekh, darf auch wieder frei Antworten schreiben, doch welch Unglück ist doch bei euch alles geschehen! Zunächst aber sei euch mein Dank versichert für all eure Bemühungen, Puidor zu finden. Ihr habt nichts über ihn herausgefunden und mittlerweile wundert mich das kaum. Immer wahrscheinlicher will mir scheinen, dass er nur eine Erscheinung von mir war, die mir seit Ladóra nicht mehr unterkam. Wollen wir hoffen, dass es dabei auch bleibt.

Ich bin froh zu hören, dass es Mutter und dir samt deiner Familie gut geht. Ich freue mich darauf, meine Nichte einmal kennenzulernen. Natürlich brach es mir aber fast das Herz, dass Ccillia einem Mann versprochen ist. Deine Worte spendeten mir ein wenig Trost, den Rest steuerte Couccinne bei. Trotzdem hoffe ich für sie, dass er sie glücklich macht und vielleicht wage ich es eines Tages dann auch, sie zu besuchen. Sie war die größte Liebe meines Leben. Weiterhin hat es mich bestürzt zu hören, dass Vater krank ist. Wenn es ihm tatsächlich so schlecht wie bei dir geschildert geht, werde ich alles daran setzen, bald heimkehren zu können. Habe Verständnis, dass ich aus diesem Grunde zuerst Ayumäeh ansteuern werde, danach komme ich aber zu euch.

Um diesen Brief nicht unnötig lang werden zu lassen mache ich erneut das, was sich schon einst bewährte und sende dir mein Tagebuch zu, dass dir alles Vorgefallene schildern wird. Ich weiß um deine Ängste die du hattest, als du von meinen Erlebnissen und Befürchtungen lasest, doch lass dir versichert sein, dass einiges oft in Hast oder den ersten Eindrücken eines Momentes niedergeschrieben wurde. Vielleicht stellt es sich später nach einigem Nachdenken als weniger schlimm heraus, und allgemein geht es mir eigentlich gut, doch neigt man dazu eher von schlechten Dingen zu berichten.

Vorgestern hatten wir eine Anhörung vor der Obrigkeit der Armee von Atáces, welche auch die Armee von Nardújarnán und damit einer der Stützpfeiler des Reiches von Ojútolnán ist. Ich mache es kurz: Sie zeigten sich äußerst zufrieden mit unseren Leistungen in Galjúin und Ladóra. Jedem von uns wurde endlich sein Lohn ausgehändigt, zusammen mit einer ergänzenden Belohnung. Wir alle bekamen seltsame Verdienstorden, die für mich aber schlicht Tand zu sein scheinen, selbst die zugehörigen Dolche sind nur bessere Brieföffner. Weiterhin boten sie jedem Beförderungen an. Stell dir vor, mich wollten sie zum Jinn machen!

Doch ich lehnte ab, wäre damit auch ein ruhiger und gutbezahlter Posten in einer Guigans verbunden gewesen, die ich mir hätte aussuchen können. Ich habe von all dem Kriegsspielen aber genug, ich möchte nur noch heim und deine Nachrichten verstärken diesen Wunsch nur. Also sagte ich ihnen, dass ich gehen und meinen Tošaren Castillia mitnehmen würde. Sie boten mir im Gegenzug an, ersteres zu genehmigen, würde ich auf zweiteres verzichten, zumal auf Beförderungsschiffen keine Tiere erlaubt seien. Schweren Herzens überzeugte der Hinweis mich, wenngleich ich mich auch erstens darüber wunder, wie leicht das doch ging und zweitens mir die Bemerkung auf der Zunge lag, dass es doch auch Ratten und Wanzen an Bord aller Schiffe gab.

Meine geliebte Schwester, endlich komme ich heim! Ich werde Vater besuchen und danach auch euch. Es überraschte mich, doch Couccinne und Miruil lehnten ihre Beförderungen ebenso ab und werden mit mir kommen, was mich sehr freut. Jimmo dagegen bleibt hier und wird die Ausbildung junger Kämpfer übernehmen. Er sagt, er sähe kein anderes Ziel mehr in seinem Leben. Irgendwie werde ich ihn vermissen. Ihn und Castillia, um die er sich kümmern wird, doch sonst kaum etwas in diesem Land.

In zwei Tagen reisen wir ab nach Almez. Nach Plan müsste ich in fünf bis sechs Wochen in Ayumäeh sein. Wie sehr ich es doch vermisse!

 

Dein Falerte.

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Das gesamte Buch kann man auch gedruckt kaufen.

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