Falerte, Teil 70: 3. Tagebuch des Falerte Khantoë

LXIX: 3. Tagebuch des Falerte Khantoë

 

12. 08. 3980, An Bord der ‚Sturmwind‘.

Die Überfahrt verlief größtenteils ereignislos. Es war ein beunruhigendes Gefühl, die selbe Strecke wie vor über einem Jahr nun wieder zurückzufahren. Noch seltsamer war es aber, zum dritten Mal nach Abajez zu kommen. Die Stadt hatte sich in der kurzen Zeit verändert. Verschiedene Einheiten hatten Teile der Stadt abgesperrt und es gingen Gerüchte um, dass Geistwächter die Stadt durchstreiften und so mancher Bürger schon verschwunden sei. Andere hätten versucht zu fliehen und wurden dabei getötet. Immerhin war die Stadt selber aber noch ganz. Das konnte man von Elpenó nicht behaupten. Wir fuhren nur an ihr vorbei, doch schon aus der Ferne sah man die Feuer und wir mussten einen Bogen schlagen als klar wurde, dass sich Kriegsschiffe im Hafen bekämpften. Und die Tage, die wir damit verbrachten, an den Bergen von Galjúin vorbeizusegeln bildete ich mir mehr als einmal ein, in der Ferne Feuer gesehen zu haben, doch konnte dem nicht so sein. Wenigstens erschien mir nicht einmal mehr Puidor, seit wir Nardújarnán verlassen hatten, tat es schon seit Ladóra nicht mehr.

Auf der Fahrt von Abajez nach Halkus dann hatte ich mehr als genug Zeit mit Couccinne und Miruil zu verbringen. Damit uns nicht zu langweilig werde, fingen wir bald unsere in Nardújarnán gelernten Spiele wieder an, ebenso nahmen wir wieder unsere alten Übungen auf, denen wir solang nicht nachgegangen waren. Bald gesellten sich zwei unserer Mitreisenden zu uns, zunächst um nur zuzusehen, später um mitzumachen. Auch sie scheinen Krieger gewesen zu sein. Einer von ihnen brüstete sich sogar damit, Jinn gewesen zu sein, doch beeindruckt mich so etwas nicht.

Jetzt, da das alles hinter uns liegt, fühle ich mich gespalten. Ein Teil freut sich auf mein neues altes Leben, ein anderer Teil denkt reumütig an die alten Erinnerungen. Schlimmer sind die Träume, die mich immer noch manchmal überkommen und die von Feuer und Blut erzählen. In den Stunden meiner düsteren Gedanken kommt mir all das Unrecht in den Sinn und ich erinnere mich einmal mehr daran, die Familie des Caris Duimé besuchen zu müssen. Manchmal erscheint er selbst mir in meinen Träumen, mal gut, mal böse, seltener auch die anderen, an deren Seite wir fochten: Gammil, Scaric, Dosten und all die anderen.

Nach einer schier endlosen Reise erreichten wir Halkus. Wir hielten nicht lange genug, um großartige Ausflüge machen zu können, doch einen Tag mussten wir verbleiben um neue Ladung zu nehmen. Die Zeit nutzten wir, um die Stadt erneut zu besichtigen. Gleich im Hafen dann sollte mein Schreck groß sein. Starr stand ich da, im Schatten eines Torbogens und beobachtete, wie sie die Stände der Fischhändler entlang schlenderte: Ccillia, meine Ccillia! Ich hatte es nicht gewusst, woher denn auch, was trieb so ein edles Wesen nach Halkus? Schön wie eh und je, der leuchtende Stern meines Herzens. Dieses schlug schnell und drohte meiner Brust zu entfliehen bei ihrem liebreizenden Anblick, doch war es mir nicht vergönnt, ihre warme Haut an die meine zu nehmen.

Fast schon war ich auf dem Weg zu ihr, da kam ein Mann, legte seinen Arm um sie und – küsste sie. Und sie schien dies zu erfreuen. Wie zwei frisch Verliebte wanderten sie weiter über den Fischmarkt. Ich aber stand da, gram und gebeugt, des zerbrochenen Herzens Lebenssaft entrinnen sehend. Oh welch Gräuel, schlimmer als alle Schrecken von Nardújarnán! Das einzige Wesen, dem je mein Herz gehörte, im Arm eines anderen! Nie werde ich wieder glücklich sein, nie werde ich eine andere lieben können. Zum ersten Mal sollte ich mich an diesem Abend hemmungslos betrinken und wünschte nur noch meinen Tod herbei. Wären nicht Couccinne und Miruil mit an Bord, ich würde mir den Untergang des Schiffes wünschen, auf dass mein Schmerz ertrinken würde. So aber sitze ich hier, habe die anderen ausgeschlossen und fülle leere Seiten mit Tinte und Tränen.

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Das gesamte Buch kann man auch gedruckt kaufen.

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