Falerte, Teil 73: Brief an Garekh

LXXII: Brief an Garekh

 

24. 12. 3980, Ayumäeh.

Lieber Freund,

Dank sei dir für deine großzügige Gastfreundschaft, die du uns hast zuteil werden lassen. Leider werden wir nun nicht mehr bei dir bleiben können, deshalb dieser Brief, ein Abschiedsbrief. Danke für den Trost und die Ablenkung der letzten Tage. Es war ein schrecklicher Alptraum, heimzukommen nur um zu merken, dass es zu spät und der Vater bereits tot und Asche ist, verstreut in der weiten See. Wärest nicht du mit deiner Familie gewesen, ich hätte wohl nicht gewusst, was zu tun und wohin.

Nach all dem, was mir in Nardújarnán widerfahren war, freute ich mich nur noch darauf, endlich mal meinen Vater wiederzusehen zur Versöhnung und Aussprache – und dann das. Ich habe es dir nicht gesagt, doch sein Tod geht mir wesentlich näher als je gedacht. Einst hätte ich seinen Tod tatsächlich gewünscht, nun wünsche ich mir sein Leben. Ich wäre sogar bereit gewesen, mich hier in Ayumäeh niederzulassen und im Geschäft zu helfen, doch ist selbst dies nicht mehr möglich. Ich hatte niemals geahnt, dass er so hoch verschuldet war. Die Zeit, die ich jetzt in der Stadt war, verbrachte ich damit mir anzusehen, was die neuen Besitzer aus Laden und Haus gemacht haben. Es ist eine Schande, sage ich dir! Was eine ganze Familie in langen Jahrzehnten erbaut hat, zerstören diese Emporkömmlinge in so wenigen Tagen. Wenn du wieder einmal in die Stadt einkehrst, sieh es dir an!

Es tut mir Leid, dass ich nicht bleibe, dir selber mehr davon zu erzählen. Meine Worte werden sowieso nichts ändern. Schon vor meiner Rückkehr hatte ich beschlossen, schnell meine Schwester zu besuchen, und dem werde ich nun nachkommen. Du hast meine Freunde Miruil und Couccinne ja kennengelernt; sie begleiten mich. Du wirst dir also sicher sein können, dass es mir gut gehen wird. Seit meiner damaligen Abreise aus Ayumäeh sind nur Unglücke geschehen und ich weiß nicht mehr, wo mein Platz im Leben überhaupt ist. Die Antworten erhoffe ich mir in Touron zu finden. Sei mir nicht böse, weil ich dein Angebot für dich zu arbeiten ausschlagen musste; du weißt, ich hätte niemals anders gehandelt, auch will ich diese Piraten niemals wiedersehen, sonst werde ich alles daran setzten sie leiden zu lassen. Sei froh mein Freund, dass du eine derart wunderbare Familie hast. Ich werde euch sicherlich noch einmal besuchen kommen. Das neue Jahr aber werde ich in Touron erwarten. Ich weiß, die Fahrt im Winter ist gefährlich, doch wird es bald schon Frühling.

Ich wünsche dir das Beste; wir sehen uns wieder.

 

Dein Freund Falerte.

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