Liebe und Partnerschaft aus psychologischer Sicht

Liebe und Partnerschaft stand schon immer in engem und wechselseitigen Verhältnis zur Freundschaft (wobei für historische Autoren letztere sogar oft die höhere Form darstellte).

Freundschaft.

Freundschaft ist Gegenseitigkeit, wertvoll, freiwillig und für gewöhnlich ohne Sexualität. Oft aber werden gerade „Partner“ als besten Freund betrachtet. Wie viele Freunde man hat ist oft davon abhängig, wie Freundschaft für einen persönlich überhaupt definiert wird. Letztlich sagen viele Befragte aber, dass niemand bis maximal zwei Personen für sie „enge“ Freunde sind, derweil der in Abstufungen lockere Umkreis erheblich sein kann. Freunde sind eher Freizeitpartner, gleichaltrig, gleichgeschlechtlich und Gesprächspartner und nicht Ziel enger Gefühle. Aus engen Freundschaften kann aber durchaus letzteres entstehen. Freundschaften entstehen ähnlich wie romantische Partnerschaften durch immer stärkerem Kennenlernen. Der Bruch entsteht meist durch Beziehungen zu Dritten, Vertrauensbruch und mangelnder Hilfe. Vertrauen und Kommunikation sind die wichtigsten Pfeiler.

Liebe.

Eine stabile Partnerschaft ist oft Grundlage für Wohlbefinden und Gesundheit. Die meisten (westlichen) Menschen wünschen sich dies. Gleichzeitig sind instabile oder fehlende Partnerschaften aber auch Quelle des Leids, sowohl psychisch als auch physisch. Der Begriff „Partnerschaft“ wird neutral genutzt für formelle und informelle Lebensgemeinschaften bis hin zu Zweckgemeinschaften. Vieles aus den Beschreibungen von Freundschaft findet sich auch beim Thema Liebe wieder. Freundschaft ist hierbei gegenseitig, während Liebe auch einseitig sein kann, beides aber sind emotionale Bindungen. Freundschaft betrifft oft viele Menschen, Liebe dagegen meist nur einen. Der größte Unterschied aber ist die körperliche Intimität, wobei das sozial und historisch nicht immer so sein muss. Gerne wird Liebe noch weiter differenziert in leidenschaftliche (und meist kurzfristige) sowie in langfristige. Meist ist es so, dass erstere in zweitere übergehen kann.

J.A. Lee untersuchte die Liebe recht umfangreich und gab mehr differenzierte Formen (1973) an: Die Primärtypen romantisch (unmittelbar und sexuell), spielerisch (vor allem sexuell und „offen“) und freundschaftlich (gemeinsame Interessen). Mischformen sind: Besitzergreifend (romantisch mit starken positiven [Erfüllung] und negativen [Eifersucht] – oft einsam fühlend bei geringer Aufmerksamkeit), pragmatisch (rational, um die besten Lebensumstände zu erreichen) und altruistisch (eigene Wünsche dem Partner unterordnend). Oft sind diese Stile gegenseitig, aber nicht zwingend. Außerdem soll die besitzergreifende Variante vor allem bei Frauen vorkommen. Romantische Liebe führt eher zu Glück denn spielerische.

Nach Bartholomew (1990) unterscheidet sich Liebe je nach dem Bild von sich selber und dem anderen. Sind beide Bilder positiv, gibt es kein Problem. Bei einem schlechten Selbstbild neigt der Liebende zu ängstlichen und besitzergreifendem Verhalten. Bei einem negativen Partnerbild zu einem abweisenden. Sind beide negativ, zu einem ängstlich-vermeidenden. Letztere betrifft vor allem Menschen, die bereits verlassen und/oder verletzt wurden. Je nach Intensität von Angst und Vermeidung fühlt sich die Liebe sicherer oder unsicherer an.

Biologie.

Liebe ist letztlich auch vor allem ein Instrument der Natur um die Aufzucht von Kindern zu sichern. Das Risiko ist hierbei für Frauen höher als für Männer, die nicht schwanger werden können. Daraus ergibt sich (Asendorpf & Banse, 2000), dass Männer eher kurzfristige sexuelle Kontakte suchen und weniger wählerisch sind. Männer achten auf Zeichen der Fruchtbarkeit (Alter, Aussehen), Frauen dagegen auf materielle Sicherheit. Männer reagieren empfindlich bei Seitensprüngen des Partners, Frauen bei anderen emotionalen Beziehungen. Belegt wurde das durch Experimente. Weiter gehen Männer schneller zu Sex über, während Frauen den anderen erst Kennenlernen. Frauen verbinden maskulines Aussehen des Mannes mit Fruchtbarkeit, Dominanz und Gesundheit, feminines dagegen mit langfristig verlässlichen Männern und Vätern. Außerdem bevorzugen Frauen an fruchtbaren Tagen erstere, an dem Rest dagegen zweiteres. Blinde Menschen wiederum haben gänzlich geringere Ansprüche an den Partner, wobei für Frauen die Attraktivität aber weiter eine wichtige Rolle spielt.

Neurowissenschaft.

Romantische Liebe findet sich in allen Kulturen, wobei die wesentlichen Aspekte überall gleich sind. Sexualität wird durch Geschlechtshormone gesteuert, Bindung durch Oxytozin und Vasopressin, die romantische Liebe an sich durch Glückshormone Dopamin und Norepinephrin. Störungen der Hormone führen auch zu Störungen der Liebe. Bindungen entstehen also durch Belohnungen und sind Drogen nicht unähnlich. Beides sind rauschhafte Zustände. Wird dagegen das Serotonin erhöht, z.B. durch Antidepressiva, wird die Liebe gestört. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer dagegen intensivieren sie. Mit der Zeit wird die Ausschüttung der Hormone geringer und damit auch die Liebe. Zurückgewiesene Liebe wiederum schlägt schnell in Aggression um, um über das Verlassensein hinweg zu kommen. Danach schwangt es in Depression um. Bei einer Trennung neigen hierbei Männer dazu sich zu betäuben, riskant zu leben und sich zurück zu ziehen, denken auch häufiger an Suizid, da sie emotional stärker an die Frau gebunden waren als diese an sie. Frauen werden eher kommunikativ. Die Depression hat aber auch das Ziel, Probleme zu erkennen und zukünftig verändern zu können.

Erfolg und Misserfolg.

Trennungen liegen Frauen zu folge oft an Kommunikationsproblemen, welche Männer nicht wahr nahmen. Ein weiterer Grund ist der Umschwung von zuerst positiver Wahrnehmung von Eigenschaften das anderen zu einer negativen. Zufrieden Verliebte neigen dazu, positive Eigenschaften zu sehen. Beziehungen scheitern aber oft an unterschiedlichen Vorstellungen der Geschlechter. Männer haben romantischere Auffassungen als Frauen, die pragmatischer sind. Weiter sind Männer emotional abhängiger vom Partner, was häufig daran liegt, dass sie weniger Freunde und Bekannte haben. Während Männer persönliche Fragen vor allem mit der Partnerin klären, tun Frauen das eher mit Freunden. Die Stabilität einer Beziehung lässt sich deshalb eher anhand der Frau ablesen, denen Probleme auch schneller auffallen. Spanier & Lewis (1980) benutzen in ihrem Modell eine Kosten-Nutzen-Abwägung, Barrieren (Finanzen, Gesellschaft) und attraktivere Alternativen. Daraus ergeben sich vier Stile: zufrieden und stabil (Hoher Nutzen, hohe Barrieren) bis unzufrieden und instabil (Hohe Kosten und Alternativen möglich). Das Modell erklärt, warum auch zufriedene Partnerschaften enden und unzufriedene aufrecht erhalten werden. Beim Modell von Karney & Bradbury (1995) dagegen wird einem Pfad gefolgt: (individuelle persönliche) Eigenschaften und Belastende Ereignisse (Stress, Streit) beeinflussen Bewältigungsprozesse, welche die Paarbeziehung und damit die Stabilität beeinflussen. Unterschiede im Paarverhalten gibt es auch zwischen Stadt und Land: Ersteres hat viele Alternativen, weniger Kinder und weniger Ehen. Ein Paar ist stabil, wenn es fähig ist kritischen Ereignisse zusammen zu bewältigen. Gefährt ist es bei vielen Krisen oder neurotischen Eigenschaften. Außerdem wurden in den letzten Jahren die Ansprüche an den idealen Partner immer höher: Verhalten und Persönlichkeit soll der eigenen Selbstverwirklichung dienlich und materielle Bedürfnisse abgesichert sein.

Empfehlungen.

Auch zeigt sich, dass Persönlichkeitsmerkmale weniger wichtig geworden sind als Kommunikation und Problemlösung, was man lernen kann. Negative Kommunikation kann die Beziehung dagegen zerstören. Gottmann (1999) zählt auf: (Verletzende) Kritik, darauf folgend eigene Rechtfertigung, Verachtung nach lange schwelenden Problemen, Rückzug eines Partners oder Machtdemonstration. Erfolgreiche Paare können sich aus dieser Spirale aber oft retten. Kast (2006) stellt Liebesformeln auf: Ständige Zuwendung im Alltag schon bei Belanglosem, ein Wir-Gefühl, Akzeptanz der Abweichungen vom Ideal-Partner, eine rosarote Brille (positive Illusionen) und zusammen „Aufregendes“ erleben. Ist eine Beziehung dann aber vorbei, sollte man die verlorene Person komplett aus seinem Leben entfernen, bis hin zu Fotos und Briefen.

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