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Der wahre Magier. Eine Charakterisierung nach Pico della Mirandola.
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1. Einleitung
Giovanni Pico, Graf von Mirandola, wurde am 24. Februar 1463 geboren. Er besaß eine große Begabung und sollte als Philosoph bekannt werden. Bereits mit 14 besuchte er die Universität1 und mit 23 wollte er 900 Thesen vorlegen, anhand derer er die philosophischen Schulen einen könnte. Aufgrund 13 als ketzerisch bezeichneter Thesen und seiner anschließenden Veröffentlichungen der Apologia wurde ihm aber eine Verteidigung seiner Thesen untersagt. Und das, obwohl er die Rede zur Verteidigung bereits fertig hatte. Diese wurde anschließend nur Freunden bekannt, auch wenn Auszüge aus dem zweiten Teil der Rede in der Apologia stehen. Der erste Teil wurde nie von ihm veröffentlicht.2 In ihr geht es um den Menschen und seine Möglichkeiten. Dieser Teil wurde nach seiner Neuentdeckung oft genug behandelt.
Aus seiner Arbeit lässt sich jedoch auch etwas anderes ableiten. Der zweite Teil behandelt in der zweiten Hälfte die Magie und den Magier. Zusammen mit dem ersten Teil und dessen Konklusion kommt man so zu einer Charakterisierung des Magiers, des gottnahen Philosophen. Dieser soll hier vorgestellt werden. Dazu gehen wir Picos Weg vom Menschen und seiner Veranlagung hin zum Magier und schließlich der Beschäftigung mit der Kabbala, die Pico als erster Nicht-Jude kennenlernen durfte. Den Hauptteil seiner Verteidigung lassen wir dabei aus, ist sie doch für diesen Weg nicht relevant.
2. Der Mensch.
Pico steigt gleich mit Zitaten von Abdala Saracenus und Hermes Trismegistos ein, nach denen der Mensch ein Wunder sei.3 Er führt auch einige der althergebrachten Gründe an, warum man meint, dass dem so sei, doch sind ihm diese nicht ausreichend. Er will seinen eigenen Weg gehen. Nach ihm schuf Gott den Menschen, damit jemand da sei, der seine Schöpfung bewundern könne.4 Dieser Mensch hat, im Gegensatz zu allen anderen Kreationen, keine Eigenheiten, nichts Besonderes. Aber wozu? Durch diese Formlosigkeit ist der Mensch in der Lage, sich selbst Form zu geben nach seinem eigenen Gutdünken. Er kann sich alles nehmen, was er will, er ist frei, hat einen freien Willen. Er kann herabsteigen zum Tier oder aufsteigen zu Gott. Er hat Anlagen zu Allem, er muss sie nur nutzen und pflegen.5 Pico unterscheidet hier zwischen fünf Möglichkeiten, zu denen der Mensch sich entwickeln kann. Wenn er kriecht, wird er zur Pflanze, ergibt er sich der Wolllust und den Sinneseindrücken, wird er Tier. Der Gebrauch der Vernunft formt den Philosophen, ein himmlisches Wesen. Wer die Welt kaum beachtet und Geist wird, wird auch zum Engel. Und letztlich wird der, der sich gänzlich in sich selbst zurück zieht, vereint mit Gott.6
„Wir sind geboren worden unter der Bedingung, daß wir das sein sollen, was wir sein wollen.”7
Nun hat Pico jedoch recht genaue Vorstellungen davon, was man werden soll. Der Mensch soll einen heiligen Ehrgeiz entwickeln, um über das Mittelmaß hinauszuwachsen, das Höchste zu erreichen. Und dieses kann man erreichen, indem man lebt, wie das Angestrebte.8 Um das Höchste zu werden, muss man seine Seele läutern, erleuchtet werden und zur Vollkommenheit gelangen. Die Seele, deren Natur gespalten ist in Liebe und Streit, wird durch die Philosophie gereinigt. Die Moralphilosophie zügelt die Leidenschaften der Triebe und beruhigt innere Kämpfe, die Dialektik vertreibt die Dunkelheit und Verwirrung des Verstandes, die Naturphilosophie schließlich beschwichtigt innere Meinungverschiedenheiten und lässt uns göttliche Erkenntnis zuteil werden.9 Das Ziel aller Philosophie soll der Friede und die Einheit sein. Sich auf den Tod vorbereiten heißt sich mit der Philosophie zu beschäftigen.10
Notwendig sind dem Menschen als Hilfe vor allem zwei Dinge. Erstens nichts im Übermaß zu betreiben, sondern die rechte Mitte zu wählen und zweitens sich selbst zu erkennen, wozu aber auch die gesamte Natur und unsere Stellung darin gehört. Schon Zarathustra sagte, dass wer sich selbst erkennt, erkennt alles in sich.11
Eine kleine Merkwürdigkeit erwähnt Pico am Ende dieses Teiles der Rede noch: Der Mensch muss seinen Verstand (durch Dialektik) nutzen um ihn zu schärfen und erkennt dann zwei Dinge, vor denen er sich hüten muss, nämlich nicht „der Sonne zugewandt zu pissen und während einer Opferhandlung die Nägel zu beschneiden.”12
3. Der Magier.
In der Magie unterscheidet Pico zwei Formen: Die schlechte, verwerfliche Form beschäftigt sich mit dem Wirken und dem Einfluss böser Geister. Dieser Magier ist Sklave böser Mächte. Die gute Form dagegen, die magia, ist Vollendung der Naturphilosophie, steht aber höher als jede Philosophie. Denn sie ist die höchste Form der Bildung, eine Wissenschaft von den göttlichen Dingen, ein Heilmittel der Seele. Dieser Magier ist ein Erklärer und Verehrer des Göttlichen, Diener der Natur, Herr über böse Mächte. Er verbindet die Erde mit dem Himmel.13 Und nun zu dem, womit der Magier sich befasst.
Ein bekannter Magier war Moses. Dieser erhielt von Gott dessen Gesetze, dazu aber auch die richtige Auslegung. Diese jedoch sollte strengstens geheim gehalten werden. Alle, die je davon wussten, schwiegen darüber, so Pythagoras, Platon, Aristoteles, die Ägypter und Jesus. In Rätseln verschlüsselt waren die Lehren vor Entehrung geschützt und man gab sie nur von Mund zu Mund weiter.14 Nach der Rückkehr aus dem Exil lies Esra jedoch alles, was man noch wusste, in 70 Büchern niederschreiben, da er befürchtete, es würde sonst vergessen werden. Diese Bücher sind die Ader der Erkenntnis, Quell der Weisheit, der Strom des Wissens. Man nennt sie die Kabbala15, die Zahlenmagie. Und schon Platon sagte, dass der Mensch das weiseste Geschöpf ist, weil der die Zahlen kennt.16
Pico della Mirandola war der erste Christ, der die Kabbala lesen sollte. Und er meinte, darin nur Christliches zu finden: Das Geheimnis der Dreieinigkeit, die Fleischwerdung des Wortes, die Natur des Messias. Und vor allem die Philosophie des Pythagoras und des Platon.17
4. Fazit.
Es war nicht viel, was Pico dort in seiner Rede sagte, doch genug um seine damalige Meinung aufzuzeigen. Um noch einmal kurz zusammenzufassen: Der Mensch hat Veranlagung zu allem, kann aus sich machen, was er will. Will er etwas Höheres werden, muss er sich läutern und Philosoph werden. Wer aber das Höchste werden will, muss weiter gehen, muss die letzten Geheimnisse erfahren, muss Magier werden und die Kabbala studieren.
5. Literatur.
della Mirandola, Pico: Über die Würde des Menschen. Stuttgart: Reclam 1997.
von der Gönna, Gerd: Nachwort. In: della Mirandola, Pico: Über die Würde des Menschen. Stuttgart: Reclam 1997
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Fußnoten:
1Vgl. della Mirandola, Pico: Über die Würde des Menschen. Stuttgart: Reclam 1997, S. 105.
2Vgl. von der Gönna, Gerd: Nachwort. In: della Mirandola, Pico: Über die Würde des Menschen. Stuttgart: Reclam 1997, S. 107ff.
3Vgl. della Mirandola, Pico: Über die Würde des Menschen. Stuttgart: Reclam 1997, S. 7.
4Vgl. ebd., S. 7.
5Vgl. ebd., S. 9.
6Vgl. ebd., S. 9ff.
7Ebd., S. 13.
8Vgl. ebd., S. 13ff.
9Vgl. ebd., S. 17ff.
10Vgl. ebd., S. 25ff.
11Vgl. ebd., S. 31ff.
12Ebd, S. 33.
13Vgl. ebd., S. 59ff.
14Vgl. ebd., S. 67ff.
15Vgl. ebd., S. 71.
16Vgl. ebd., S. 59.
17Vgl. ebd., S. 73.
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#1 von freidenkerin am 3. Februar 2009 - 21:21
Mit der Philosophie Mirandolas kann ich mich sehr anfreunden. Vieles davon entspricht meiner eigenen Sicht auf die Mitmenschen, die Natur, auf Gott. – Ich danke dir für diesen guten und schönen Artikel, ich habe wieder ein bißchen dazu lernen dürfen.