Freiheit und Sklaverei. Die dystopische Utopia des Thomas Morus.


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(Inhaltlich ist es dasselbe)

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Utopie. Eine Einleitung.

Eine Utopie ist eine Wunschvorstellung, die zwar denkbar, aber aus verschiedenen Gründen nicht realisierbar ist, weshalb sie heutzutage oft auch negativ als Wunschtraum abgetan wird. Oft stellen diese Utopien mit ihrer Idealvorstellung eine gleichzeitige Kritik an einer bestehenden Ordnung da. Der Name Utopie kommt von dem Roman ‘Utopia’ von Thomas Morus, der hier noch behandelt werden will. Utopien stellen meist bessere Gesellschaftsordnungen da, seltener gibt es auch religiöse oder technisch-wissenschaftliche Utopien.

Heutzutage werden Utopien hauptsächlich nur noch von Philosophen wie Ernst Bloch aufgestellt, derweil die Utopie als ihr ins Negative umgekehrte Gegenstück, der Dystopie, großen Einfluss in populärer Literatur und Medien hatte.

Thomas Morus’ Utopia gilt als Namensgeber und einer der ersten Vertreter der Utopie (nach Platon und Cicero). Sie beschwört einen kommunistisch-sozialistischen Staat mit Toleranz, aber auch jeder Menge Unfreiheit und Überwachung. Dieses möchte ich hier behandeln und aufzeigen, dass die Utopia im heutigen Sinne keine Utopie mehr ist, sondern vielmehr eine Dystopie. Weiterhin möchte ich hier überhaupt die Ideen der Utopier vorstellen.

Thomas Morus

Thomas Morus wurde 1478 in London geboren und starb dort auch, 57 Jahre später, hingerichtet von Heinrich VIII. Zuvor war er enger Vertrauter und Ratgeber des Königs und u.a. bekannter Gegner von Martin Luther, später auch Lordkanzler. Er galt als neutraler Diplomat, tüchtiger Administrator, Anhänger des Vatikans und toleranter Humanist und wurde von seinen Freunden geliebt und in den höchsten Tönen gelobt. Seit wenigen Jahren ist er der Heilige der Politiker.

Einleitung zur Utopia

Die Utopia erschien das erste Mal 1516 in Löwen, verfasst in lateinischer Sprache. Erasmus von Rotterdam war derjenige, der auf ihre Veröffentlichung drängte. Die erste deutsche Übersetzung gab es 1524. In dem Buch berichtet der Seefahrer Raphael Hythlodäus (*Possenreisser’) dem Thomas Morus von der Insel Utopia, welche jenseits des Ozeans liegen soll. Hythlodäus stellt hier den begeisterten Anhänger des utopischen Staates da, welcher die bestehenden Verhältnisse in der Alten Welt kritisiert, während Morus dem eher skeptisch gegenüber steht. So verzichtet der Autor Morus auf eine Wertung seiner Vorstellungen und lässt dem Leser und Kritiker alle Spielräume. Da aber Hythlodäus natürlich den Großteil des Werkes ausmacht, gilt meine Kritik hier ihm und dem Staat Utopia, und nicht dem Morus des Buches Utopia.

Interessant ist sicher auch, dass sich vor allem Marx und Engels stellenweise gerne auf die Utopia berufen haben.

Die Utopie als Dystopie

Warum nun nenne ich die Utopia eine Dystopie, eine negative Utopie? Nun, so manche Dinge an dem neuen Staats mögen wünschenswert sein, dagegen sind viele andere um so mehr zu verurteilen. Ich möchte hier mit zweiteren beginnen, bevor ich erstere erwähne. Zunächst in Kurzform, dann nochmal ausführlich. Die Aufgliederung folgt dabei meinem eigenen Gutdünken, da die Kapitelüberschriften bei Morus selber sehr willkürlich gewählt sind.

Die Dystopie

- Schwer patriarchalisch. Der Mann herrscht.

- Stark hierarchisch. Der Senat herrscht über Bürgermeister und Familienvorsteher.

- Gleichschaltend. In Aussehen wie in Denken.

- Die Gesamtheit bedeutet mehr als das Individuum.

- Einsatz der Sklaverei

- Tieferstellung von Frauen

- Überwachung aller Bewegungen und Taten, freie Bewegung ist verboten.

- Starker Zwang in allem mit zu machen. Keine individuelle Einteilung.

- Krankes Kriegswesen, das andere Völker als Kanonenfutter nutzt und sie ausrotten will sowie die Familien der Krieger mit an die Front schickt, damit diese besser und bis zum bitteren Ende kämpfen.

- Unklare Aussagen zum Geldwesen: Waren scheinen nichts zu kosten, anderes dagegen schon, derweil Gold verpönt ist.

- Sex vor der Ehe verboten.

- Ausnutzung des Systems durch Einzelne wäre möglich.

- Einerseits Kritik einführen, dass alle arbeiten sollen, und dann gibt es doch so gut wie nicht arbeitende Priester und Bürgermeister, die verehrt werden.

- Müßiggang und freie Erholung verboten, nur nach Vorgaben.

- Einmischung in die Natur durch unsinnige Tätigkeiten wie dem Versetzen ganzer Wälder.

Die Utopie

- Toleranz in vielen Belangen, v.a. der Religion

- Offen für jeden.

- Sozialistisch. Niemand muss leiden, allen gebührt das gleiche.

- Abschaffung von Privateigentum an Boden oder Arbeitsmitteln.

- Wissenschaft und Literatur werden gefördert.

- Jeder muss arbeiten, dafür aber jeder weniger.

- Vor Eheentschluss dürfen sich die Partner nackt sehen.

- Abschaffung von Reichtum und der Veherrlichung von Reichtum.

- Ausführliche Pflege von Kranken und Geleitung von Sterbenden.

- Kaum feste Gesetze, keine Todesstrafe.

- Durch die Gleichheit kaum Verbrechen vorhanden.

Der Staat Utopia. Seine Vor- und Nachteile in einzelnen Punkten.

I. Geographie, Stadt und Land.

Es gibt 54 Städte, die alle gleich sind. In der Stadt Amaurotum kommt der Senat zusammen. Um jede Stadt gibt es 12 Meilen Ackerland mit Bauernhöfen. Auf diesen arbeiten pro Jahr 20 Leute mitsamt den zum Bauernhof gehörenden Sklaven. Regelmäßig werden Menschen aus Stadt und Bauernhof getauscht, damit alle mal arbeiten. Hierbei bleiben aber einige Erfahrene auf dem Hof um die Neulinge einzuweisen. Der Bauer befasst sich mit Ackerbau, Viehzucht, dem fällen von Holz sowie dem Handel mit der Stadt. Es wird industrielle Hühnerzucht in Legebatterien betrieben, Pferde allein für den Reitsport gezüchtet, da als Arbeitstiere nur Ochsen verwendet werden. Aus Getreide wird nur Brot, aber kein Bier gewonnen, als Getränke kennt man Wein und süßes Wasser. Der Hausrat des Hofes wird aus der Stadt importiert.

II. Die Stadt

Hier sind alle gleich, auch optisch. Die Städte besitzen starke natürliche und künstliche Befestigungen als Verteidigungsmittel vor Angreifern. Innerhalb der Stadtmauern in den vier gleichen Stadtvierteln jedoch ist alles frei. Selbst die Häuser, die jeweils eigene Gärten haben, sind stets unverschlossen, da es keinen Diebstahl gibt. Auch werden kaum neue Häuser gebaut, da die bestehenden alle 10 Jahre per Los neu verteilt werden.

Letzteres finde ich etwas seltsam.

Weiterhin ist jede Stadt genauso groß wie die anderen. Wenn sich hieran etwas ändert, werden die Menschen halt umverteilt. Einzelpersonen oder ganze Familie wechseln so die Stadt. Und werden auf diese Art natürlich ihrem sozialen Umfeld entrissen. Aber vermutlich hatte Morus es im Sinn, dass dies freiwillig geschieht.

III. Die Hierarchie

So gleich sind dann doch nicht alle, es herrscht eine strenge Hierarchie, begonnen bei der kleinsten Einheit, der Familie. Die Frauen ziehen zu den Männern, wenn sie heiraten und dienen ihm fortan, da sie als weniger stark betrachtet werden. Ebenso dienen die Männer einer Familie dem Vater, und die Kinder ihren Eltern. Pro Familie darf es nur 10 bis 16 Erwachsene geben. Überflüssige werden auf andere Familien aufgeteilt, damit alle den gleichen Stand haben.

6000 Familien gibt es pro Stadt. 30 Familien ernennen nach einer jährlichen Wahl aus den Reihen ihrer Familienväter einen so genannten Syphogranten (Phylarch), welcher die Arbeit der Familien überwacht. 10 solcher Syphogranten wählen jährlich aus ihren Reihen einen Traniboren (Protophylarch). Alle 200 Syphogranten einer Stadt zusammen ernennen aus ihren Reihen die 4 Bürgermeister der Stadt, welche auf Lebenszeit regieren.

Die Traniboren ergeben zusammen mit den Bürgermeistern einen Rat, der die Stadt kontrolliert. Zum Senat kommen jeden Tag 2 Syphogranten hinzu, welche bei Tagungen mitmachen.

Morus sagt nichts zum Senat selber und wie er sich zusammen setzt. Auch ist dieses System extrem patriarchalisch, Frauen haben kaum etwas zu sagen (nur ihren Ehemännern). Dass die Bürgermeister auf Lebenszeit regieren, ist auch nicht unbedingt günstig.

IV. Arbeit

Einem Handwerk gehen alle Einwohner Utopias nach, nämlich dem Ackerbau. Sie erlenen die Grundlagen in der Schule und üben es dann in der Praxis aus. Ansonsten übernehmen sie das Handwerk ihres Vaters. Wer etwas anderes besser kann oder möchte, darf dies tun, muss dafür aber die Familie wechseln. Dies kann auch spät im Leben noch geschehen. Die Arbeitszeit beträgt für alle 6 Stunden. Davon 3 Stunden morgens (davor oft noch kurz eine öffentliche Vorlesung), gefolgt von der Mittagsmahlzeit und 2 Stunden Pause, dann nochmal 3 Stunden Abends, gefolgt von Abendessen und einer Stunde spielen oder musizieren. Die Freizeit kann man nach belieben einteilen, solange man nicht faulenzt oder sich ausruht. Meist ist es Forschung, Studium, Literatur, spielen oder auch – arbeiten. Wer außergewöhnlich gut in der Forschung ist, darf sich auch von der Arbeit frei stellen lassen, um sich gänzlich der Forschung zu widmen.

Güter gibt es so für alle im Überfluss, da wirklich alle arbeiten. Auch soll weniger Arbeit anfallen, da Häuser pausenlos ausgebessert werden, so also kaum neue gebaut werden müssen und dies die effektive Arbeitszeit verringert. Ebenso wird nur eine Art Einheitskleidung hergestellt, was ebenso weniger Arbeit verursacht. Zuletzt noch wird nicht mehr produziert als notwendig ist. Hat man dieses Ziel früher erreicht als erwartet, verfällt die restliche Arbeitszeit und wird zur Freizeit.

V. Soziales und Infrastruktur

Wir erwähnt sind alle Städte gleich groß oder durch Einwohnerumverteilung anzupassen. Hat aber nun das ganze Land einen Überschuss an Menschen, werden diese ausgesandt, Kolonien zu gründen. Dort verschmelzen sie mit den ansässigen Einwohnern. Wenn diese dagegen sich aber weigern und überzähliges Land haben, das sie nicht nutzen, welches man aber nutzen könnte und müsste, so vertreiben die Utopier sie halt mit Gewalt und Krieg. Hat das Land Utopia nun wieder zu wenig Einwohner, werden entsprechend viele aus den Kolonien zurück gerufen.

Ebenso schon erwähnt wurde, dass die Stadt sich in 4 gleiche Teile spaltet. Jeder dieser Teile hat einen Markt. Dort kann der jeweilige Einkäufer alles verlangen, was er möchte, Geld wird hierfür nicht benötigt. Gründe für diese Freizügigkeit sind, dass ja genug angebaut wird und nie ein Mangel oder Furcht vor Mangel herrschen wird. Deshalb wird auch niemand mehr nehmen, als er benötigt. Wozu auch? Zuhause muss man sich selber darum kümmern, was man wo anders auch jederzeit kostenlos bekommt.

Neben den Märkten hat jeder Stadtteil noch Gemeinschaftshallen, je eine für 30 Familien. In diesen sitzen auf jeder Seite 15 Familien für Essen, Spiel und Unterhaltung zusammen. Das Essen findet jeden Tag und überall gleichzeitig statt. Die besten Waren bekommen hierbei zuerst die Kranken, danach die Inhaber hoher Ämter, als letztes erst der Rest. Wer mag kann sich für Zuhause auch ein Extraessen mitgeben lassen. Die Frauen kochen, Schmutzarbeiten erledigen aber die Sklaven. Beim Essen sitzen die Frauen an den Innenseiten der Gänge, um schnell gehen zu können, sollte dies nötig sein. Besonders Schwangere haben auch Extraräume, z.B. Ammenstuben für Kleinkinder.

Von den öffentlichen Krankenhäusern gibt es 4, alle zusammen groß genug, im Notfall die gesamte Stadt aufzunehmen. Hierbei frage ich mich sehr, wie diese wohl Instand und am Laufen gehalten werden.

VI. Leben

Wer über Land reisen möchte, benötigt hierfür eine Genehmigung, und auch dann ist es nur Gruppen erlaubt. Freies Bewegen also fehl am Platze. Als so genannter „Herumtreiber” kann man sich sogar Strafen einhandeln. Ist es dann aber so weit, wird man von einem Sklaven gefahren. Sogar für einfache Spaziergänge braucht man Erlaubnisse, hierbei der Hausvater von seiner Frau, die Kinder von ihren Eltern. Und ist man unterwegs, bekommt man erst Unterkunft und essen, sobald man gearbeitet hat.

Dinge wie Ablenkung, Unterhaltung, Müßiggang sucht man vergebens, abgesehen von den wenigen Spielen und der gemeinsamen Musik. Die Allgemeinheit überwacht alles und jeden stetig, zwingt das Individuum zur Arbeit und „ehrbaren” Vergnügungen und unter sich.

Es ist schon schade, dass ich an diesem gesamten Punkt nichts positives finden konnte.

VII. Wirtschaft

Die Wirtschaft des sozialistischen Utopias ist natürlich perfekt. Wie schon erwähnt wird für alle genug Nahrungsmittel produziert. Ähnlich wie die Einwohner, werden auch die Waren in allen Städten gleichmäßig ausgeglichen. Damit wollen sie erreichen, dass es in keiner Not oder Armut gibt.

Der Außenhandel ist recht beschränkt. Das meiste soll es ja auch in Utopia selber geben. Als einziges Import gibt es deshalb Eisen, welches für verschiedene Zwecke benötigt wird. Utopia exportiert dagegen nur etwas, wenn jemand Armes bedürftig ist. Da es ja auch kaum Importe will und an Gold nicht interessiert ist, ist dies nur rechtens. Dafür hortet es aber überflüssige Güter in Massen für so genannte Notfälle. Dieses betrifft besonders das Anheuern von Söldnern im Kriege oder einfach das – Bestechen von Gegnern.

Gold und Silber betrachtet man als absolut unnütz. Was will man damit auch? Zu kaufen gibt es ja nichts; im Inland überhaupt nichts, im Ausland nur selten. So hat man in Utopia gelernt, das Gold, welches außerdem noch so selten und so nutzlos ist, zu verachten. Statt Schmuck nützt man sie für Dinge, anhand derer man negative Assoziationen mit dem Metall verbindet: für Nachttöpfe, als Sklavenketten, als Zeichen der Schande sowie als Kinkerlitzchen für die Kinder. Diesen Punkt, die Erkenntnis, dass diese Metalle eigentlich für kaum etwas sinnvoll und zum Großteil auch nicht sehr schmuckhaft (oder ebenso gut als Kopie herstellbar) sind, finde ich in Utopia fast noch am besten.

VIII. Wissenschaft und Philosophie

Wie erwähnt dürfen nur die Begabtesten die Laufbahn des Wissenschaftlers einschlagen. Die am intensivsten betriebenen Gebiete in Utopia sind hierbei die Astronomie (wobei sie die Astrologie als Unsinn und Aberglaube verachten), Ethik, Musik und Geometrie. Die Sprache Utopias ist hierbei in der Region die lingua franca.

Als Lebensglück betrachten die Utopier es, den Geist frei zu bilden und dass die Seele unsterblich ist und nach dem Tod für Tugend und ein gutes Leben belohnt wird. Ein naturgemäßes Leben ist ihnen ein vernünftiges Leben und als Natur des Menschen betrachten sie die Solidarität, sich gegenseitig zu einem Leben voll Fröhlichkeit zu verhelfen.

Dies klingt nun wahrhaftig teils nach Christentum, teils nach Träumerei.

IX. Vergnügungen

Das meiste, was wir als erstes mit Vergnügen assoziieren, ist für die Utopier falsches Vergnügen. Dazu gehören vor allem aber auch Prunk, Reichtum, Eitelkeit, Glücksspiel und die barbarische Jagd.

Für sie echte Vergnügungen betrachten sie dagegen sehr differenziert:

a) seelische: Diese regen den Geist an, dazu gehört die Findung der Wahrheit und ein untadliger Lebenswandel, um ein glückliches Leben nach dem Tod zu erzielen.

b) körperliche: unterteilen sich in die Vergnügungen der Sinne, welches Lust ist, aber nur bezogen auf Essen und Musik; sowie in eine gute Gesundheit.

c) geistige: sind eigentlich streng betrachtet nach Morus’ Schilderung also ein Unterpunkt der seelischen, denn hierzu gehören Tugend und ein rechtschaffener Lebenswandel.

Weiterhin soll man der Natur und ihren uns gegebenen Empfindungen nachgehen, sich nicht selbst züchtigen, disziplinieren oder fasten. Denn dies zerstört die oben genannten Vergnügungen.

X. Physiognomie

Dieser Punkt wird nur kurz geschildert. Die Utopier werden als gewand und kraftvoll beschrieben. Auch härten sie sich gegen die Unwillen der Natur ab.

XI. Sklaven

Ja, die Utopier halten sich Sklaven. Das allein ist schon diskutierwürdig. Aber nun erstmal zu den Umständen.

In Utopia werden fast nur Verbrecher als Sklaven gehalten. Die Sklaverei ist immerhin die höchste Strafe in Utopia und immer noch humaner als die Todesstrafe. Zu diesen Verbrechern zählen allerdings unter anderem auch Ehebrecher. Auch Verbrecher aus dem Ausland, welches dieses nach Utopia entsandt hat, kommen vor. Schließlich kauft Utopia sich im Ausland ebenso Sklaven. Eine letzte Gruppe machen die Freiwilligen aus. Meist begeben sie sich in die Sklaverei, weil sie in ihrem Heimatland keine Möglichkeit zum Leben haben. Diese Art Sklaven wird auch besser behandelt als die anderen, doch ihre Arbeit ist um so härter, da sie es sich verdienen müssen. Sie können dafür aber jederzeit kündigen und bekommen dann sogar noch ein Abschiedsgeschenk.

Wie sieht nun das Leben eines Sklaven in Utopia aus? Vermutlich nicht groß anders als anderswo. Sie werden für Arbeiten eingesetzt, hier natürlich vor allem solche, die keiner freiwillig tun will und befinden sich in Fesseln.

XII. Kranke und Tod

Diese werden, wie bereits erwähnt, exzellent gepflegt. Riese Krankenhäuser stehen bereit, jeden im Notfall aufzunehmen. Auch werden sie bei der Nahrungsverteilung bevorzugt behandelt.

Was ist aber nun mit Unheilbaren? Diesen spendet man Trost, so gut es geht. Erleiden sie nun zu starke Qualen, so versucht man sie zu überreden, Selbstmord zu begehen. Dies geschieht dann freiwillig, aber wie gesagt beeinflusst durch die anderen. Da es auch als besonders ehrenvoll gilt, so die Welt zu verlassen, steht es zu vermuten, dass ein extremer psychischer Druck auf den Betroffenen lastet. Andererseits ist es sehr stark in die Kultur eingegangen und vielleicht selbst verständlich. Jedenfalls, wer sich überreden ließ, stirbt durch Hungertod oder, wenn er sich das anders nicht zutraut, durch Euthanasie.

Wer dagegen einen unnötigen, einen unsinnigen Selbstmord begehrt, wird von den Utopiern verachtet. Es stellt für sie die tiefste Schande da und diese Personen werden nicht einmal beerdigt, sondern ins Moor geworfen.

XIII. Ehe

Wie man schon gemerkt haben dürfte, ist die Ehe den Utopiern heilig. Die Frau heiratet frühestens mit 18, der Mann frühestens mit 23. Unehelicher Sex ist auf Strafe verboten, denn, so sagen die Utopier, bei Freier Liebe würde niemand mehr irgend jemanden heiraten.

So soll auch jeder, der sich bindet, dies gut überdenken, „denn in der Ehe muß man sein ganzes Leben mit nur einer Person zusammen verbringen und außerdem so manches Beschwernis geduldig mit in Kauf nehmen.” Und um zu wissen, ob einem die andere Person wirklich und vollständig gefällt – um dies zu wissen zeigen sich beide Parteien vorher einander nackt. Um sozusagen nicht die Katze im Sack zu kaufen. „Denn einerseits sind nicht alle Männer so klug, nur auf den Charakter zu sehen, andererseits aber ist auch in den Ehen kluger Männer Schönheit des Körpers eine nicht unwesentliche Zugabe zu den Vorzügen des Geistes.”

Da die Ehe heilig ist und schon so gut darüber nachgedacht wurde, ist natürlich eine Scheidung nur an der Peripherie des Denkbaren. Eine Scheidung findet eigentlich nur statt, wenn einer der Partner tot ist – oder er Ehebruch beging, was die Sklaverei nach sich zieht. Manchmal aber genehmigt es auch der Senat, wenn beide es unbedingt wollen, nie aber, wenn dadurch ein Partner im Stich gelassen wird: „Zuweilen jedoch kommt es vor, daß die Ehegatten charakterlich nicht recht miteinander harmonieren. Wenn dann beide jemand anders finden mit dem sie glücklicher zu leben hoffen, so trennen sie sich in gütlicher Vereinbarung und gehen eine neue Ehe ein.”

XIV. Gesetz

In Utopien herrscht das seltsame System der freien Strafen; sprich: der Richter darf Strafe und Strafmaß selbst festlegen, was natürlich voraussetzt, dass nur die weisesten Personen Richter werden. Die Höchststrafe kann aber grundsätzlich nur die Sklaverei sein. Doch den Tod kennt man auch, aber nur für widerspenstige Sklaven. Wer jemand zu etwas schlechtem anstiftet ist ebenso ein Verbrecher, wie der Verbrecher selbst. Aber als größte Schande gilt der Spott gegenüber Behinderten und von der Natur schlechter ausgestatteten.

Insgesamt gibt es nur sehr wenige Gesetze, wie man gesehen hat. Ebenso gibt es absolut keine Anwälte, denn jeder muss sich selbst verteidigen.

XV. Ehrungen

Das Gegenteil der Strafen sind die Ehrungen. Sie sollen einen Anreiz bieten, es gut zu tun. Wer sich am meisten verdient gemacht hat, erhält sogar seine eigenen Denkmäler.

XVI. Außenpolitik

Die Außenpolitik wurde teilweise ja schon angerissen. Z.B. nutzt man Verbrecher aus dem Ausland als Sklaven, Außenhandel gibt es kaum und wenn man will, nutzt man fremdes Territorium als Platz für eigene Kolonien, zur Not mit Waffengewalt. Nun war dies aber nur der Anfang.

Bei befreundeten Staaten setzt man auch schon mal die eigenen Leute in deren Ämtern ein, denn die eigenen können diese Staaten ja viel besser regieren. Allerdings haben die Utopier grundsätzlich keine Bündnisse mit ihren Nachbarn, denn diese sind fast grundsätzlich Vertragsbrüchige.

Hier bringt Morus noch einen längeren Abschnitt über Europa da und warum diese hier alle gut Bündnisse eingehen können, denn diese doch allesamt äußerst ehrenvoll. Dies strotzt nur so von Ironie und Sarkasmus, merkt man doch sofort, dass die in Utopien geschilderten Zustände Reflexionen der europäischen Zustände sind.

Nun aber zum größten Teil der Außenpolitik, nämlich dem Krieg.

XVII. Krieg

Den Krieg sieht man in Utopia als schrecklich und blutrünstig an und nutzt ihn nur zum Schutz vor sich selber, zum Schutz von Freunden und um fremde Tyrannen zu stürzen. So wird auch mal Krieg für diese Freunde geführt; wird man aber betrogen, erfolgt ein Boykott. Die größte Schande des Krieges ist für die Utopier ein blutiger Sieg und so sorgt List für den höchsten Ruhm. Nun sehen sie jedoch höchst fragwürdige Dinge als List und ehrenvoll an.

Denn die größte Waffe Utopias ist der Terror. Dies wird gerechtfertigt mit der Ausrede, dass er den Krieg erspart und gleichzeitig den Gegner abschreckt. Die Utopier kennen hier verschiedene Formen. Angefangen bei Attentaten auf den anderen Herrscher, über Volksaufhetzung, andere Anführer umbringen, Bestechungen, Zwietracht sähen bis hin zu Geiselnahme und Belohnungen für hohe Ämter des anderen Landes, die bereit sind, dieses zu verraten.

Beistand für befreundete Länder gibt man lieber in Form von Gold als Truppen und wenn doch mal Truppen, dann lieber Söldner als das eigene Volk, denn die Söldner setzen die Utopier als Kanonenfutter ein.

Wenn doch mal das Volk benutzt werden muss, setzt sich das Heer aus Freiwilligen zusammen. Doch Feiglinge werden bei der Truppe gehalten, indem man ihre ganze Familie an die Front holt. Dies wird auch bei normalen Soldaten so praktiziert, im Glauben, dass diese dann bis zum Schluss kämpfen, um ihre Familie zu beschützen.

Die Utopier kämpfen so auch unbeugsam bis zum letzten. Auch hier werden gerne Attentate oder Kamikazeangriffe auf feindliche Anführer genutzt. Den Rest setzt man lieber gefangen statt ihn zu töten. Wenn der Feind mal flieht, lässt man ihn deshalb auch lieber ziehen, statt ihn aufzureiben.

Die Tugenden der utopischen Kämpfer sind Disziplin und Vorsicht. So nutzt man auch im Kampf die List in Form von Hinterhalten. Hat man eine vorgeschobene Linie erobert, errichtet man befestigte Lager. Hat man ein Dorf oder eine Stadt erobert, wird sie nicht geplündert und geschändet.

Die Utopier müssen in ihren Rüstungen zu schwimmen lernen. Als Waffen setzen die Pfeile, Pferde, Äxte und Kriegsmaschinen ein. Schwerter sind kaum bekannt, die Axt wird höher geschätzt.

Nach einem Sieg wird wie gesagt nicht geplündert, doch jeglicher Widerstand wird sofort getötet. Die feindlichen Krieger werden zu Sklaven gemacht, das Volk darf frei bleiben. Wer von ihnen sogar für die Utopier war, erhält Belohnungen.

XVIII. Religion

In religiöser Hinsicht sind die Utopier mehr als tolerant. In ihrem Staat gibt es etliche Religionen. Verehrungen von Gestirnen, Menschen, Göttern und anderem. Nur eines allein ist sämtlichen Religionen gemein und steht über ihnen, nämlich der Glaube an ein einziges höheres Wesen über allem anderen, nämlich Mythras. Die Toleranz steht an höchster Stelle.

Die Utopier werden als nicht abergläubisch sondern als höchst rational bezeichnet. Sie sind gegen Aberglauben und Prophezeiungen, dafür aber für die Natur und Wunder.

Die Toten werden geehrt, doch nur um qualvoll gestorbene wird getrauert. Bei glücklich gestorbenen wird dagegen gefeiert.

Einige Fatalisten bieten sich als Diener an und erkaufen sich damit ihr Glück. Doch im allgemeinen gibt es zwei hauptsächliche Sekten. Die erste bleibt ledig, abstinent, fromm und lebt vegetarisch, die zweite ist für Vergnügungen, Fleisch und die Ehe.

In jeder Stadt gibt es dreizehn Priester. Wenn Krieg herrscht, ziehen sieben davon mit dem Heer davon. Die Priester kümmern sich um kultische Angelegenheiten, ermahnen moralisch abwegige und schließen Sünder gänzlich vom Kult aus. Sie lehren die Kinder. Selten einmal werden auch Frauen Priester. Aber sämtliche Priester werden hochgeehrt. Selbst das Ausland ehrt die utopischen Priester. Auch sollen sie beim Kampf Glück bringen und Frieden schließen. Erkennen kann man sie als einzige an ihren kunstvollen Federgewändern.

Die Utopier feiern viele Feste. Jeweils am Monatsersten und -letzten feiern sie eines und schließlich ein großes Schlussfeste am Ende des Jahres. Bei diesem muss man nüchtern bleiben, beten und bußen und alle sitzen in einer festen und strengen Reihenfolge.

Die Tempel sind groß und stets abgedunkelt, da Licht nur den Geist davon abhält frei zu werden und meditieren und zu lassen. Sie sind panreligiös und bieten für jeden etwas: für alle Götter ihre Kultsymbole und was sonst noch nötig ist. Niemals aber werden Tieropfer abgehalten. Stattdessen räuchert man pausenlos. Auch spielen alle hier Instrumente und beten. Beten um die beste Staatsform.

XIX. Ende

Dies war das wichtigste über den Staat Utopien, „wo es kein Privateigentum gibt, [dort] kümmert man sich ernstlich nur um das Interesse der Allgemeinheit.” In „Utopien, wo alles allen gehört, ist jeder ohne Zweifel fest davon überzeugt, daß niemand etwas für seinen Privatbedarf vermissen wird, sofern nur dafür gesorgt wird, daß die staatlichen Speicher gefüllt sind. Denn hier werden die Güter reichlich verteilt, und es gibt keine Arme und keine Bettler, und obgleich niemand etwas besitzt, sind doch alle reich.”

Und an dieser Stelle führt Morus auch seine eigene Kritik an der herrschenden Gesellschaft in Europa aus: „Oder ist das etwa Gerechtigkeit, wenn jeder beliebige Edelmann oder Goldschmied oder Wucherer [...], die entweder überhaupt nichts tun, oder deren Tätigkeit [...] nicht dringend notwendig ist, ein prächtiges [...] Leben führen darf auf Grund eines Verdienstes, den ihn sein Nichtstun oder seine überflüssige Tätigkeit einbringt, während zu gleicher Zeit der Tagelöhner, der Fuhrmann, der Schmied und der Bauer mit seiner harten und ununterbrochenen Arbeit, wie sie kaum ein Zugtier aushalten würde, die aber so unentbehrlich ist, daß ohne sie kein Gemeinwesen auch nicht ein Jahr bloß auskommen könnte, [...] ein so elendes Leben führt, daß einem die Lage des Zugochsen weit besser vorkommen könnte, weil sie nicht so dauernd arbeiten müssen, weil ihre Nahrung nicht viel schlechter ist und ihnen sogar besser schmeckt und weil sie bei alledem wegen der Zukunft keine Angst zu haben brauchen.”

„Ist das nicht eine ungerechte [...] Gesellschaft, die [den] Leuten dieser Art, die weiter nichts als [...] Schmarotzer sind [...], in so verschwenderischer Weise ihre Gunst bezeugt, die dagegen für die Bauern, Köhler, Tagelöhner, Fuhrleute und Schmiede, ohne die überhaupt kein Staat bestehen könnte, in keinerlei Weise sorgt?” „Was soll man gar noch dazu sagen, daß die Reichen Tag für Tag von allem täglichen Verdienst der Armen nicht nur durch privaten Betrug, sondern sogar auf Grund staatlicher Gesetzte etwas abzwacken?”

Und so kommt Morus zu seiner Konklusion: „Wer weiß nämlich nicht, daß Betrug, Diebstahl, [...] mit der Beseitigung des Geldes absterben müssen und daß außerdem Furcht, Unruhe, Sorge, Anstrengungen [...] wie das Geld verschwinden werden?”

Doch dies waren nur die Worte, die er Raphael in den Mund legte. Sein eigenes erzählerisches Ich schließt das Buch mit dem großen Zweifel an der Wahrheit und Durchsetzungsmöglichkeit von Raphaels Geschichte.

Eine Utopie?

Nun, dies war also der „beste Staat”. Erschien dies wie eine Utopie? Ja, die letzten Sätze des Raphael klingen einleuchtend und werden jeden Sozialisten zur Zustimmung bringen. Niemand der leiden muss, niemand der zu viel arbeiten muss und niemand, der sich auf der Arbeit anderer ausruhen kann. Auch ist Utopia erfreulich tolerant in den meisten Belangen.

Doch dies wird schwer erkauft. Das hierarchisch patriarchalische Herrschaftssystem, welches um Freude, Sicherheit und Gleichheit im Staate schafft, in dem es alle Menschen gleich macht und Individualismus ausschaltet – das klingt wie aus fast allen dystopischen Romanen der letzten Jahrzehnte geklaut.

Eine Utopie soll nach der heutigen Auffassung ein wünschenswerter Zustand sein, ein besserer Zustand. Doch vieles des in Utopia geschilderten gab es mittlerweile wirklich, doch wurde hemmungslos ausgenutzt. Auch kann dieses Utopia für viele nicht wirklich erstrebenswert sein, vor allem für Frauen, Individualisten, freiheitsliebende Menschen und Menschen, die sich schlecht Autoritäten oder gesellschaftlichen Zwängen unterordnen können.

Sicherlich aber ist die Utopia noch ein geringeres Übel als so manch anderes System, trotz seiner Gefahren. Doch auch in Utopia gibt es noch viel zu stürzen und zu revolutionieren. Die Utopia ist demnach keine Utopie im modernen Sinne, auch wenn sie der Urvater von ihnen ist. Denn auch in Dystopien können die Menschen in diesen System glücklich erscheinen, doch erstrebenswert ist es aus verschiedenen Gründen nicht. Die Gründe von Utopia haben wir hier ja gesehen. So wurde Utopia als Begründer der Utopien zu seiner eigenen Nemesis, der Dystopie.

Das Ende

Wie wir sahen, sahen wir doch nicht den besten Staat, sondern nur seine Karikatur. Der beste Staat ist weiterhin zu finden, doch nützt es nicht nur, dafür zu beten, wie es die Utopier doch tun. Der Zwang, die Gleichschaltung, das Fehlen von Freiheiten, die Sklaverei, die fragwürdige Kriegsführung, die Behandlung von Frauen und die strenge Herrschaft, dies alles negiert solche Errungenschaften wie Toleranz, Gemeineigentum, Gleichheit vor dem Gesetz und Abschaffung des Geldes. Auch wenn diese Punkte ein erster Schritt zur Besserung wären.

Und so wurde bewiesen, was zu beweisen war, dass nämlich die Utopia keine Utopie ist.

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Fußnoten:

vgl. Artikel Utopie. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. Juli 2008, 13:47 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Utopie&oldid=48567898 (Abgerufen: 21. Juli 2008, 11:39 UTC)

vgl. Artikel Thomas Morus. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 21. Juli 2008, 08:19 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Thomas_Morus&oldid=48630813 (Abgerufen: 21. Juli 2008, 11:40 UTC)

vgl. Erasmus von Rotterdam: Erasmus von Rotterdam grüßt den hochedlen Ritter Ulrich von Hutten (1519). In: Morus, Thomas: Utopia. 1982, 7. Auflage. Reclam Verlag, Leipzig. S. 133ff.

vgl. http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/motu_proprio/documents/hf_jp-ii_motu-proprio_20001031_thomas-more_ge.html (Abgerufen: 21. Julia 2008)

vgl. Teller, Jürgen: Nachwort. In: Morus, Thomas: Utopia. 1982, 7. Auflage. Reclam Verlag, Leipzig. S. 143ff.

Was wohl erklären mag, wie in ihrer Lehre solche Ungerechtigkeiten und Fehler des Lehrgebäudes entstanden, wie der Zentralisierung und Gleichschaltung.

Der Senat wird von Morus übrigens nicht richtig erklärt.

Dieser und der folgende Punkt (Gleichschaltung) haben Ähnlichkeit mit dem Denken im Marxismus.

Hiermit steht die Utopia aber ganz im Sinne von Gustav Landauer. Einige andere Punkte dagegen dürften auch ihn gestört haben.

Wieder ganz im Sinne von Landauer.

Hier bin ich mir nicht so sicher, ob das wirklich anstrebenswert ist.

Was die Euthansie angeht, hier bin ich mir einer Zuteilung wieder nicht sicher. Da sie nur stattfindet wenn sie freiwillig und gewünscht ist, würde ich sie eher zum positiven zählen.

Nun, das klingt noch vernünftig. Städte die gleich sind, sind zwar nicht schön, aber verhindern zumindest Neid und Migrationen. Damit aber auch das individuelle und freiheitliche. Die Legebatterien dagegen möchte ich nicht gut heißen.

vgl. Morus, Thomas: Utopia. 1982, 7. Auflage. Reclam Verlag, Leipzig. S. 64.

vgl. ebd.

Hier widerspricht sich Morus, wenn er später von den Priestern redet. Meint er anfangs noch, wenn alle arbeiten, auch die Priester, wird genug erzeugt, dass alle nicht viel arbeiten müssen. Später jedoch sagt er, die Priester in Utopia müssten nicht arbeiten.

vgl. Morus, a.a.O., S. 62.

Ob das aber wirklich weniger Arbeit verursacht, kann ich nicht ganz nachvollziehen, leider aber auch nicht beurteilen.

vgl. Morus, a.a.O., S. 63.

Auf die Kleidung gehe ich gleich noch ein.

vgl. Morus, a.a.O., S. 64

Hier würde mich interessieren, was die Utopier anstellen, wenn es einmal keinen Platz mehr für Kolonien gibt. Krieg? Oder verzichten?

Ab dieser Stelle spricht Morus nun nicht mehr von Geld, sondern von Solidarität. Nur: vor dieser Stelle hatte er Geld erwähnt. Wofür ist es in Utopia nützlich? Wie sieht es aus? Das wird nicht geklärt, da später eigentlich auch gesagt wird, dass es kein Geld, noch Gold gibt.

Fragwürdig, ob es gut wäre, bestimmte Berufe hierbei teilnehmen zu lassen. Denn für Notfälle braucht es doch weiter Ärzte, etc.

vgl. Morus, a.a.O., S. 69

Was ich, so muss ich sagen, ja für eine ziemliche Verletzung einiger Menschenrechte halte. (Natürlich gab es diese damals zu Zeiten von Morus noch nicht).

vgl. Morus, a.a.O., S.81.

Aber wie wird diese Begabung fest gestellt? Z.B. bei schüchternen Kindern? Können hierbei nicht auch gut Talente untergehen? Aber vielleicht fördert die Gesellschaft ja auch das Selbstbewusstsein. Dagegen dürfen Menschen, die ihre Begabung erst spät entwickeln, die dann auch nutzen.

Wie auch Rousseau es später fordern sollte. Aber dieser meinte damit sicher nicht, dass man aus lauter Langeweile ganze Wälder versetzt (vgl. Morus, a.a.O., S. 89.). Das kann weder für den Wald gut sein, noch für das zugehörige Ökosystem.

vgl. Morus, a.a.O., S. 93f.

vgl. ebd., S. 94.

vgl. ebd., S.94.

Das dies nicht wirklich förderlich ist, dürfte klar sein. Erstens kann es sein, dass sich so zwei doch inkompatible Menschen heiraten, zweitens würden auch bei Freier Liebe sich all die doch heiraten, die sich wirklich lieben. Und wäre das nicht wesentlich eher anzustreben?

Morus, a.a.O, S. 94.

Ebd., S. 95.

Ebd., S. 96.

Und wann finden wir schon solche? Nur, in Utopien werden wohl alle gut genug darüber wachen, dass der Richter eine weise Person ist. Doch sobald das utopische System den Gang aller Systeme hin zur Verengung seiner Regierung von der Basisdemokratie weg vornimmt, wird dieser Punkt ein sehr gefährlicher und für totalitäre Systeme und Diktatoren ausnutzbar; wie so vieles in Utopien.

Vgl. Morus, a.a.O., S. 96f.

Vgl. ebd., S. 98f.

Vgl. ebd., S. 98

Vgl. ebd., S. 99ff.

Vgl. ebd., S. 102ff.

Und wieder spielt sich Utopia als das moderne Amerika auf. So fragt sich auch, warum Utopia für jemanden Krieg führen sollte, wenn doch alle grundsätzlich vertragsbrüchig und hinterlistig sind. Um dies herauszufordern, um die „Freunde” dann selbst angreifen zu können? Oder wie Amerika den ganzen Krieg nur als Vorwand um eigene Vorteile zu erzielen?

Vgl. Morus, a.a.O., S. 104f. – Das erinnert schon wieder stark an Amerika.

Vgl.ebd., S. 112ff.

Vgl. ebd., S. 126f.

Ebd., S. 126.

Ebd., S. 127.

Ebd., S. 127f.

Ebd., S. 128.

Ebd., S. 129.

4 Responses to “Freiheit und Sklaverei. Die dystopische Utopia des Thomas Morus.”

  1. Antje sagt:

    Ein interessantes Thema, wobei ich empfehle für eine korrektere Einordnung des Textes eine etwas weiterführende Lektüre in punkto Utopiestudien empfehle. Eine Dystopie ist etwas anderes als eine Negativ-Utopie oder Anti-Utopie.

    Die Relevanz des Textes hält sich so etwas in Grenzen, da eine verfasste Utopie sinnvoller an der zeitgenössischen Gesellschaft auf die sie verfasst wurde gemessen wird, und nicht nach anachroninistischen Gesichtspunkten.

    Falls Interesse besteht empfehle ich sich umfassender in das Thema einzulesen – z B. Lyman Tower Sargent oder Thomas Moylan würden da zum besseren Verständnis beitragen.

    Nichts für ungut und viel Spass weiterhin.

    Antje Wiechern

  2. |X|  Utopia Roman sagt:

    [...] Eugenische Utopien der Belletristik. Der literarische Diskurs zur MenschenzuchtAndre Schuchardt: Freiheit und Knechtschaft. Die dystopische Utopia des Thomas Morus. Eine Kritik am besten Staat Kategorien: Utopie | Philosophisches Werk | Literarisches Werk | Literatur (16. Jahrhundert) | [...]

  3. last read: Utopia sagt:

    [...] Freiheit und Sklaverei. Die dystopische Utopia des Thomas Morus hat sich Andre Schuchardt ein wenig länger mit dem Thema beschäftigt, ich kann, wie schon [...]

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